Königstragödie hinter vergitterten Fenstern

Der Tod des Märchenkönigs Ludwig II. im Starnberger See sorgt bis heute für Mutmaßungen, Gerüchte und Verschwörungstheorien.
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Der Tod des Märchenkönigs Ludwig II. im Starnberger See sorgt bis heute für Mutmaßungen, Gerüchte und Verschwörungstheorien.

Aschau/Haag – Gleich zwei Premieren bietet das Theater „FreiLuft“ von Jörg Herwegh am kommenden Wochenende: Am Samstag.

25. Juli, in Aschau im Chiemgau um 20.30 Uhr, und am Sonntag, 26. Juli, im Schlosshof in Haag um 20.30 Uhr findet das Erzähltheater „Ludwig Zwo – Wellenschaum“ statt. Am Sonntag, 26. Juli, ist im Schlosshof Haag um 18 Uhr, Premiere von LoughLove.

Eine Zeit dergroßen Umbrüche

Um die letzten Tage des Märchen-Königs im Jahre 1886 hat Herwegh ein spannendes Erzähltheater geschrieben: „Mich haben immer die historischen Fakten und Details interessiert, vor allem aber die Lebensumstände in der bayerischen Gesellschaft in einer Zeit der großen Umbrüche.“

Wo entscheidende Fakten fehlen, setzt die menschliche Fantasie das Puzzle zusammen. Kaum ein anderer politischer Skandal des 19. Jahrhunderts hat so viele Gerüchte, Mutmaßungen oder Verschwörungstheorien hervorgerufen wie das Sterben von Ludwig II. und dem Psychiater Dr. Gudden im Würmsee, dem heutigen Starnberger See.

Für das Erzähltheater hat sich Jörg Herwegh literarischen Beistand geholt. Klaus Mann, dessen biografische Anmerkungen nie ohne den Satz „Ältester Sohn von Thomas Mann“ auskommen, befasste sich in der Novelle „Vergittertes Fenster“ mit dem Ende von Ludwig II. Den von vielen inneren Zweifeln zerrissenen Klaus Mann kann man durchaus als einen Seelenverwandten des legendären Wittelsbacher-Königs bezeichnen. Aus der sprachgewaltigen, pathetischen Novelle zitiert Jörg Herwegh in seinem Solo Manns Vorstellung von den letzten Lebensminuten des Monarchen.

Noch ungewöhnlicher ist Jörg Herweghs Entdeckung des japanischen Schriftstellers Mori Ogai, dessen Erzählung „Wellenschaum“ dem Solo-Theater seinen Titel gab. Der in Deutschland nur wenig bekannte Künstler, gilt als wichtigster Schriftsteller Japans zu Beginn der Moderne. Mori studierte als angehender Militärarzt von 1884 bis 1888 in Deutschland, unter anderem in München.

Ungewöhnlicher Blickauf die Gesellschaft

Ludwig II. setzte den unter seinem Vater begonnenen Ausbau Münchens zu einer Universitäts- und Wissenschaftsstadt fort und gründete die Polytechnische Schule, aus der sich die heutige Technische Universität entwickelte. In den deutschen Städten studierten etliche Japaner, weil sich das alte feudale Japan den europäischen Errungenschaften öffnete. In seinen drei deutschen Novellen wirft Mori Ogai einen recht ungewöhnlichen Blick auf die deutsche Gesellschaft. Der Grund, warum Ludwig II. in Moris „Wellenschaum“ im See ertrinkt, überrascht unsere heutige, von vielen Klischees geprägte Sicht auf Ludwig II. Auch Ludwigs literarisch talentierte Cousine Sisi, die österreichische Kaiserin Elisabeth, ist mit zwei Gedichten vertreten. Die literarischen Überhöhungen bricht Jörg Herwegh mit teilweise grotesken historischen Details der Königstragödie aus dem Jahre 1886.

Das Stück LoughLove zeigt einen Reigen komischer Szenen und Sketche zum Thema Liebe. Die Schauspieler-Paare Kirsten und Steps Lossin sowie Constanze Ba ruschke-Herwegh und Jörg Herwegh sind Erz-Komödianten und legen in Lough Love einen Parforceritt durch das Meer der Irrungen, Wirrungen und Begierden der reiferen Liebe hin.

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