WASSERBURGER KLAVIERSOMMER

Das Klavierkonzert, ein Traumziel

Wasserburg – Wenn dieser Bericht hier in der Zeitung erscheint, ist der „Wasserburger Klaviersommer“ schon in vollem Gange, werden die Teilnehmer des Seminars abendlich mit den Ergebnissen ihrer Tagesarbeit brillieren und fröhlich den Beifall der Wasserburger entgegennehmen.

Was treibt die Besucher in den Festsaal des Inn-Salzach-Klinikums? Ist es die Musik allein, die Fingerfertigkeit der Debütanten oder gar der „Thrill“ eines musikalischen Hochleistungssportes? Oder nicht vielmehr das Interesse an hoffnungsvoller Jugend – mögen das auch meist Teilnehmer aus Asien sein? Die Leute bekunden Freude an den heute seltenen Lichtpunkten unserer Gesellschaft.

Zunächst, am ersten Tag, gab es einen Einstieg, der ein Traumziel aller Musiker vor Augen führte: Das Klavierkonzert. Klaus Kaufmann, der Leiter des Seminars, führte ein in die Entwicklungsgeschichte des Solokonzerts von Bach über Mozart, Beethoven, Chopin, Mendelssohn zu Prokofieff. An zwei Klavieren wurden die Höhepunkte dieses Metiers simuliert – das „Orchester“ übernahmen Klaus Kaufmann oder mit den Solisten des Seminars befreundete Kollegen.

Das Klavierkonzert, ein Traumziel: Nicht mehr allein hat der Spieler an den Tasten die Gestaltung zu schultern, er ist eingebettet in Klang und Themenführung durch das Orchester und frei zur verzierenden Ausgestaltung. Freilich, bei Chopin assistiert das Orchester mehr als dass es führt; bei Mozart hingegen ist das ein über Jahrhunderte unüberbietbares Zusammenwirken, wobei man gar nicht mehr weiß, wer musikalisch führt.

All die Solisten und Solistinnen schöpften schon aus dem Vollen in der Darstellung ihres Soloparts. Namen sollten wohl absichtlich nicht genannt werden, die Lehrfunktion des Abends stand im Vordergrund. Mozarts KV 467: Hier hatte vom ersten Hören an jeder Ton das kaum definierbare Flair des Komponisten; in Beethovens C-Dur-Satz wusste die Spielerin schon die Pranke des jungen Revolutionärs zu zeigen; Chopins e-Moll-Konzert: Ja, man wusste nicht, was da noch fehlen konnte an Virtuosität und Hingabe; Mendelssohn: Ein Lied ohne Worte und überschwängliches Hasten auf den Tasten. Ja, und bei Prokofieff fand ein kongeniales Spielerpaar offenbar den Weg, den Einklang der Dissonanzen zu finden – ja, auch das kann es geben! Der „Begleiter“ hat wohl das Zeug zum souveränen Dirigenten in sich.

Der für Mittwoch vorgesehene Klavierabend der Pianistin Tatiana Chernichka mit Etüden von Chopin könnte nun ein weiteres Ziel des Seminars aufzeigen: Allein hat nun der Spieler die Last der Virtuosität und der musikalischen Gestaltung zu tragen – und dabei sollte der Zuhörer auch merken, welche Poesie den Chopin’schen Etüden innewohnt! Die Teilnehmer werden sich solchen Abend zum Vorbild nehmen, und der Besucher wird an den restlichen Abenden und erst recht beim „Marathon“ am 5. August davon zur Genüge erfahren.

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