Klangliche Überraschungen

„Holzig“ überraschten mit unorthodoxer Instrumentierung und eigenwilligen Kompositionen. Friedrich

Rosenheim – Bei Gastspielen von Bands, die in der Region noch keinen Namen haben, sind die hiesigen Hörer eher zurückhaltend als risikofreudig.

Das erfuhr auch das Quintett „Holzig“ mit seinen aus Berlin, Köln und Leipzig stammenden Musikern. Platzte das „Le Pirate“ bei der Aiblinger Formation „Funky Reflection“ noch aus allen Nähten, so war der Club diesmal nicht so gut besucht.

Doch die Neugierigen bereuten es nicht. Schon ein Blick auf die unkonventionelle Besetzung verriet den etwas anderen Sound der Band: Cello, E-Bass, E-Gitarre, dazu Schlagzeug und verschiedene Saxofone. Los ging es in „Amygdala“ mit einem weichen Einstieg und feinem Melodiespiel auf dem E-Bass (Philipp Martin). Auf dem fein gewebten Klangteppich als Basis bewegte sich Christoph Möckel mit dem Tenorsax.

„Holzig“ erwies sich als sperrige Komposition mit einigen Klangexperimenten und akustischen Farbtupfern: Im Zusammenspiel von Drums (Hans Arnold) und Veit Steinmann am Cello entwickelte sich ein rhythmisch geprägter, an indische Klänge erinnernder Gesamtsound. E-Bass und Saxofon taten das ihre, die Gäste wippten mit und durch das Lokal drangen Elektrobeats nahe an der Tanzschwelle – große Klasse. Das Quintett leitete seine Stücke mehrfach mit individualistischen Experimenten – allerdings streng durchkomponiert – ein, um die Solisten mit Ensemblespiel und viel Power wieder einzufangen.

Kompositionen wie „Vive la courage“ und „Montana“ bannten mit ihren Überraschungen die Konzentration der Gäste und verblüfften mehrfach mit ihrer unvorhersehbaren Gesamtanlage.

„Holzig“ erweitern damit das Spektrum des Jazz um Independent- und Technoelemente und gehören ähnlich wie das Leo-Betzl-Trio zu einer Generation von Erneuern.

Einflüsse aus der Kammermusik

Mit dem Cello gewinnt das ganze noch an kammermusikalischen Einflüssen, sodass ein enorm breites und flexibles Klangrepertoire entsteht. Das reizvolle Wechselspiel aus avantgardistischen Experimenten und populären Rhythmuspassagen kam bei den Hörerinnen und Hörern gut an und wurde mehrfach mit starkem Applaus belohnt. afr

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