Klang gegen Rhythmus

Der Flötist Michael Martin Kofler(Mitte) war umgeben von einer imposanten Schlagzeugbatterie. Janka

Erl –. Die Konzerte im Festspielhaus Erl zwischen den Winter- und Sommerfestspielen firmieren unter dem Titel „Zwischenzeit“.

Das suggeriert Beiläufiges, Nebensächliches. Darunter sind Konzerte, die zwar Nebenwege betreten, doch nicht minder faszinierend sind – wie das jüngste Konzert mit dem Titel „Mystic Flute“, das doch nur die Hälfte des Geschehens bezeichnete.

Da stand eine einsame Flöte, gespielt von Michael Martin Kofler, gegen eine imposante, wenn nicht sogar bedrohliche Schlagzeugbatterie, gespielt von Sebastian Förschl, Stefan Gagelmann, Jörg Hannabach und Michael Leopold, alles Mitglieder der Münchner Philharmoniker. Flöte trifft Schlagzeug, Klang trifft Rhythmus. Wer befürchtet hatte, dass die Flöte untergehen würde, hatte sich getäuscht. Raumgreifend und tonintensiv, ausdrucksstark und flexibel spielte Michael Martin Kofler sein Instrument.

„An Idyll for the Missbegotten“ heißt das Stück für Flöte und Schlagzeug von Georg Crumb (geboren 1929). Es ist stellenweise ein Wettbewerb der leisen Töne, der verhauchenden Flöten-Pianissimi und der leisen Paukenwirbel, später wird es leidenschaftlicher und krachender. Sechs Sätze hat die Konzert-Suite für Flöte und Schlagzeug von André Jolivet (1905-1974), es ist die Darstellung von sechs verschiedenen seelischen Zuständen. Und auch hier konnte sich die agile Flöte leicht mit dem Schlagzeug messen, das besonders intensiv wirkt, wenn es dynamisch gedämpft ist.

Seine ganze Kunst der musikalischen Rhetorik konnte Kofler dann demonstrieren in den „Cinq Incantations pour fleute seule“ von André Jolivet, der hier die Verbindung der magischen Kräfte der menschlichen Seele mit der ursprünglichen Natur mittels einer rituellen Beschwörungszeremonie feiert. Mit beschwörendem Ton und schier unendlich langem Atem gestaltete Kofler dieses expressive Werk, das mit extrem hohen und tiefen Tönen, weiten Sprüngen, wechselnder Dynamik auf engstem Raum, Mikroglissandi, Flageoletttönen und der Technik der Flatterzunge prunkt. Kofler arbeitete sich auch körperlich in dieses Werk hinein, sein ganzer Körper vibrierte dabei in einem wahren Ausdrucks-Furioso.

Die fünf Schlagzeuger durften sich dann auch ohne Flöte präsentieren und zeigten die überwältigende Kraft des reinen Rhythmus, der dabei fast selbst zum Klang wird, sowohl in „Side bei Side for Percussion solo“ von Michio Kitazume (geboren 1948) als auch im „Marimba Spiritual“ für Marimba und Kodo-Trommeln von Minoru Miki (1930-2011).

Die relativ wenigen Zuhörer überschütteten die Musiker mit herzlichem Beifall.

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