Zweites Konzert der Bad Endorfer Orgelwochen

Kirchenmusik, die aufrüttelt

Die Organisatoren der Bad Endorfer Orgelwochen waren sich treu geblieben. Wenn anlässlich des ersten Abends vom "erfrischenden Wagnis" als Kennzeichen dieser Konzertreihe die Rede war, so enthielt das Programm in der Bad Endorfer Pfarrkirche auch diesmal unbekannte und belebende Neuheiten. Zwar fanden sich alle Beiträge quasi eingebettet in eine Reihe wohltönend ebenmäßiger Orgel- und Chorwerke Felix Mendelssohn-Bartholdis, und auch eine Referenz an den großen Johann Sebastian Bach fehlte nicht. Doch dazwischen wurde der Zuhörer mit Werken eines Anton Heiller (1923 bis 1978), eines Josef Franz Doppelbauer (1918 bis 1989) und Jeanne Demessieux (1921 bis 1968) konfrontiert: All dies waren Kompositionen, welche die Interpreten und Zuhörer gleichermaßen forderten. Ein zeitgenössischer Beitrag aber kann nicht genug hervorgehoben werden: Die "Missa Brevis" Markus Lugmayrs.

Lugmayr, der Leiter des Kammerchores und -orchesters St.Sebastian Ebersberg und des neunköpfigen Altöttinger Vokalensembles "Ars Nova" an diesem Abend, hatte ein mutiges Werk geschaffen, mit aparter Harmonik, überraschenden Modulationen, mit Anklängen an Vivaldi und Strawinsky gleichermaßen.Auf kurzen Nenner gebracht: Wer eine Messe mit dieser Musik besucht, dürfte - auch geistlich - aufgerüttelt werden.

Lugmayr verlangte viel von seinen Choristen. Welche Kraft der Bässe, welche Sicherheit der Intonation bei Heinrich Schütz, bei Doppelbauers herben Harmonien im Salomonischen Hohelied der Liebe, welch strahlende Höhe insbesondere der Altöttinger Sänger! Ungeheure Macht entströmte dem Altarrund bei Mendelssohns Psalmen 2 und 43! Und doch: Warum nur Kraft? War es nötig, bei einer Motette von Brahms durchgehend im Forte zu verharren? Wo blieb die Differenzierung des Ausdrucks? Sicher könnte der Chorleiter angesichts dieses Stimmenmaterials noch ein Mehr an Gestaltung dazugewinnen.

Kraftentfaltung bei den Singstimmen - nicht umsonst stand das Motto "Warum toben die Heiden" obenan - und auch an der Orgel. Eine zierliche junge Dame, Franziska Maier, Schülerin der Bad Endorfer Kirchenmusikerin Judith Trifellner-Spalt und als Bundesjugendpreisträgerin 2009, gerade 20 Jahre alt, gab ihr Debut. Unbekümmert und mutig musizierte sie Mendelssohns B-Dur-Sonate, griff vehement in Tasten und Pedal bei "Reponds sur le Temps de Paques" von Demessieux. Und Bachs Präludium und Fuge a-Moll klang gar nicht wie so oft wie akademisches "Nähmaschinengarn", sondern brodelte geradezu im virtuosen Spiel der Tasten- und Pedalsoli. Auch im Ensemblespiel entpuppte sich die Organistin als versierte Musikerin. Souverän unterstützte sie den Chor, die treffliche Sopranistin Agnes Westermaier und die vier Streicher mit markant herausgearbeitetem Orgelpart.

Ein ehrgeiziges Chorunternehmen, eine vielversprechende junge Organistin und eine nicht alltägliche Messkomposition des Dirigenten: Eine Steigerung der Vielgestaltigkeit in diesem Konzertzyklus ist kaum möglich - womit man dem letzten wahrscheinlich besinnlicheren Abend in Mauerkirchen bei Bad Endorf in zwei Wochen mit Interesse entgegensieht.

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