Keine Anzeichen von Öde in Einöden

Seit dem Jahr 1180 ist die Ortschaft Einöden im Inntal zwischen Fischbach und Kirnstein belegt. höfer

Homeoffice? Homeschooling?

Fehlende oder nur sehr reduzierte Kontaktmöglichkeiten? Eingeschränkte Mobilität? Nur sehr begrenzte Einkaufsmöglichkeiten? Problematische Kranken- und Kirchenbesuche? Fehlender Kita- und Spielplatzbetrieb?

Nein, dies ist kein weiterer Artikel zur Corona-Krise. Aber zeigt nicht das Leben, insbesondere das von Kindern, auf einem Einödhof in unserer Region in den 50er- Jahren des letzten Jahrhunderts gewisse Parallelen zur Lebensweise in der aktuellen Corona-Zeit? Aber was ist eine Einöde überhaupt, amtlich und sprachlich gesehen?

Ein Hof undeine Familie

In den amtlichen Ortsverzeichnissen gibt es im ländlichen Raum die Ortskate gorien „Stadt“, „Markt“, „Dorf“, „Weiler“ und „Einöde“. Die Einöde besteht in der Regel aus nur einem einzigen Hof mit einer einzigen (Groß-)Familie.

Sprachlich gesehen erinnert die Einöde an den Begriff „Öde“, mittelhochdeutsch oede, althochdeutsch ôdi. Dies ist laut Matthias Lexer, „Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch“, ein „unbebauter und unbewohnter Grund“, eine „Wüste“. Das Adjektiv (Eigenschaftswort) „öde“ bedeutet „leer, wertlos“.

Das hört sich bei Maria Purainer, die auf einem Einödhof in der ehemaligen Gemeinde Litzldorf aufgewachsen ist, jedoch ganz anders an. Zusammen mit ihren etwas jüngeren vier Geschwistern erlebte sie in den 1950er-Jahren eine regelrechte Idylle in einer Einöde! Keine Spur von einer Art „Lockdown“, wie es in der Corona-Krise der Fall war: Der Weg zur Schule, zum Kramerladen und zur Kirche war – wetterbedingt – „a diam“, so s Maarä, beschwerlich, aber immer frei zugänglich!

Und der elterliche Bauernhof war zwar sehr alt und ein wenig abgelegen, aber keineswegs „öde“ oder „wüst“. Vielmehr war er Kita und Spielplatz zugleich. Von Anfang an waren die Kinder ins Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof integriert.

Schon von klein auf übernahm man bestimmte Aufgaben und freute sich sogar auf sie, weil sie sehr abwechslungsreich waren. Wer gerne den Küchendienst übernahm, durfte dort mithelfen; wer aber lieber draußen, egal ob Bua oder Dirndl, auf dem Feld mitmachen oder landwirtschaftliche Geräte instand bringen wollte, machte sich eben dort nützlich.

Die Telekommunikation via Telefon zum benachbarten Einödhof, war jedoch nur selten im Gebrauch, etwa wenn gegenseitige Hilfe nötig war, „boi a Kuah koiwad hod“.

Hausaufgaben? Nach der Schule wurde gespielt oder gearbeitet; die Hausaufgaben wurden abends erledigt. Der Baabb gab – auf Wunsch – den „Home Teacher“!

Die Ortschaft Einöden – „Oaeedn – zeigt ebenfalls keine Anzeichen einer Öde, wovon man sich gut auf einer Fahrt im Inntal zwischen Fischbach und Kirnstein überzeugen kann. Sie ist circa 1180 als „ainhode“ und zugleich auf Latein als „de solitudine“ belegt. Zugrunde liegt der Einöde daher althochdeutsch „einôti“, mittelhochdeutsch „einoete“, mit der Bedeutung „Einsamkeit“, auch „allein liegender Ort“. Erst in mittelhochdeutscher Zeit (1050 bis 1350) ist dieser Begriff an das Wort „Öde“ lautlich und inhaltlich angeglichen worden.

Aber davon mehr in der nächsten Folge über unsere „Öd“-, „Ed“- und „Eden“-Ortsnamen.

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