Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ein Kammerspiel um die Gerechtigkeit

+

Ihr Urteil muss einstimmig sein, und so ziehen sich die zwölf Geschworenen nach einer sechstägigen Gerichtsverhandlung gegen einen 19-jährigen Puertoricaner aus den Slums, der seinen Vater ermordet haben soll, in das Geschworenenzimmer des Gerichts zur Beratung zurück.

So beginnt das Stück „Die zwölf Geschworenen“, das der amerikanische Autor Reginald Rose als Fernsehspiel geschrieben hatte und 1954 ausgestrahlt wurde. Er verfasste auch das Drehbuch, als der Regisseur Sidney Lumet das Stück für den Film adaptierte. Der wurde ein Kinoklassiker und mit zahlrei-chen Preisen ausgezeichnet. Susanne Braune und Alexander Zinn inszenierten jetzt das Stück für die Bühne des Tam-Ost in Rosenheim.

Zur Linken befindet sich der große Tisch, an dem die Geschworenen sitzen sollen, mittig ist eine Schiefertafel, auf der immer wieder das Abstimmungsergebnis geschrieben steht, rechts ist ein kleines Waschbecken ange-bracht. Es ist einer der heißesten Tage dieses New Yorker Sommers, bei dem ein großer Ventilator etwas Kühle bringen soll. Als der Obmann Nummer eins (Normann Henke) auf Bitten der Männer schon zu Beginn abstimmen lässt, votiert einer von ihnen auf „nicht schuldig“ und schockiert damit die anderen, für die die Schuld des Angeklagten ein-deutig bewiesen scheint. Geschworener Nummer acht (Klaus Schöberl) aber hat begründete Zweifel, über die er sprechen will. Er wird die trostlose Jugend des Angeklagten schildern, die Nachlässigkeiten dessen Verteidigers aufdecken, Indizien und Zeugen infrage stellen. Wie die einzelnen Geschworenen nicht zuletzt auf Grund ihrer Charaktere, ihrer Erfahrungen und auch Vorurteile reagieren, wird in einem dichten, überaus packenden Kammerspiel aufgezeigt.

Besonders Nummer drei (Stefan Vincent Schmidt), ein aufbrausender Mann hetzt, stänkert und verschließt sich jeder Argumentation von Nummer acht, der den Fall Punkt für Punkt durchgehen will und dabei immer mehr Ungereimtheiten aufdeckt. Als erster folgt Nummer neun (Helmut Meier , ein älterer ruhiger Mann, seinen Ausführungen und stimmt nun für „Nicht schuldig“. Durch scharfe Beobachtungen einer Zeugin während des Prozesses bringt er dazu ein entscheidendes Detail zur Sprache. Im Gegensatz zu Nummer acht, der mit kluger und überzeugender Argumentation die anderen nach und nach dazu bringt ihre Sicht auf den Fall zu ändern, steigert sich Nummer drei immer mehr in seinen Hasstiraden auf den Angeklagten und scheut auch vor Tätlichkeiten auf andere und besonders auf Nummer acht nicht zurück. Hier prallen zwei absolut verschiedene Charaktere aufeinander und Klaus Schöberl und Stefan Vincent Schmidt bestechen in ihren Rollen auf beeindruckende Weise.

Hitzige Auseinandersetzung

In hitzigen Auseinandersetzungen kippt im Stück die Stimmung. Immer wieder zeigen Abstimmungen, dass weitere Geschworene an der Schuld des Angeklagten zweifeln. Nummer elf (Heinz Warnemann), ein Einwanderer aus Europa, schätzt das freies Justizsystem Amerikas und ermahnt die aufgebrachten Gemüter besonnen zur Ruhe. Nummer fünf (Florian Fuchs), wie der Angeklagte in den New Yorker Slums groß geworden, weiß, wie man ein Messer beim Angriff führt und entlastet so den Angeklagten. Nummer sieben (Alexander Schoenhoff) will ein Baseballspiel am Abend nicht verpassen und schnell zu einem Abstimmungsergebnis kommen. Mit flotten Sprüchen ignoriert er lange den Ernst der Entscheidungen. Nummer zehn (Tobias Huber) ist ein cholerischer Rassist, der in seinen unbeherrschten Ausfällen bald alle mit Abscheu erfüllt. Nummer zwei (Thomas Müller) und Nummer sechs (Tobias Bauer) lassen sich nach und nach von den Recherchen von Nummer acht und Beobachtungen anderer überzeugen. Auch Nummer vier (Günther Hendrich), ein disziplinierter Börsenmakler, der analytisch denkt, ändert schließlich sein Votum. Nummer zwölf (Josua Dreischhoff), ein oberflächlicher Opportunist, ändert dreimal seine Meinung. Doch am Ende bleibt Nummer drei als Einziger uneinsichtig. Für ihn ist der Angeklagte ein geborener Verbrecher. Doch als er vom eskalierenden Streit mit seinem Sohn erzählt, wird klar, dass dieser ihn tief verletzende Konflikt ihn bei seinem Urteil fatal beeinflusste. Als gebrochener Mann wird er schließlich als Letzter für „nicht schuldig“ stimmen.

Susanne Braune und Alexander Zinn gelang in ihrer Inszenierung ein bis zur letzten Sekunde hoch spannender Theaterabend, in dem alle Darsteller in ihrem Spiel von Beginn an überzeugten. Klaus Schöberl brillierte in der Rolle des Geschworenen Nummer acht, und Stefan Vincent Schmidt als aggressiver, verbitterter Mann, war ihm kongenialer Gegenpart. Sie, wie ihre Mitspieler und die Regie beeindruckten nachhaltig, das Publikum feierte sie zu Recht mit großem lang anhaltendem Applaus.

Weitere Vorstellungen sind an den folgenden Freitagen und Samstagen bis 2. Dezember jeweils um 20 Uhr sowie an den Sonntagen, 20. November und 4. Dezember, um 17 Uhr. Kartenreservierung ist möglich unter der Telefonnummer 0 80 31/23 41 80 oder im Internet unter www.tam-ost. de.

Kommentare