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Passionskonzert

Kammerchor Rosenheim singt in der Nikolauskirche

Ausdrucksstark singt der Kammerchor Rosenheim unter Konrad Heimbecks Dirigat.
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Ausdrucksstark singt der Kammerchor Rosenheim unter Konrad Heimbecks Dirigat.

Große Passionen gibt’s heuer kaum, weil lange nicht geprobt werden durfte. Der Kammerchor Rosenheim hat in seinem Konzert in der Nikolauskirche dafür zwei Mini-Passionen aufs Programm gesetzt, eine aus Jesu Sicht, eine aus der Sicht von Jesu Mutter.

Rosenheim – Wie so viele, hat auch Heinrich Schütz „Die sieben Worte Jesu am Kreuz“ vertont. Aber relativ schlicht, dafür auch mit den Dialogen mit den Schächern und einem ausgedehnten „Eli“-Ruf. Nichts wird theatralisiert, der Fokus liegt ganz auf dem Text: „Die sieben Wort…betracht in deinem Herzen!“, singt der Chor zu Beginn. Die Erzählungen der vier Evangelisten sind auf vier Solisten (Ursula Preißler, Luitgard Hamberger, Richard Eschlbeck, Martin Hörberg) verteilt, die Worte Jesu singt ein tieferer Tenor, den Schächer zur Rechten ein tiefer Bass, hier alles von Martin Hörberg klar und edel und ohne draufdrückendes Pathos gesungen, nur den Verzweiflungsruf „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ singt er trauriger, ja flehentlicher. Das begleitende kleine Orchester ordnete sich dienlich unter.

Die Klage Mariens

Auch im „Stabat mater“ von Josef Rheinberger, allerdings deutlich süßer. Das ist nun eine hochromantisch schwellende Marienklage angesichts des am Kreuz hängenden Sohns. In vier Teile teilt Rheinberger den Text, zwei davon beginnen die Männer mit einer pathetisch nach unten ziehenden Melodiefolge, der vierte Teil fängt mit einem unisono gesungenen Trauermarsch an und endet in der unvermeidlichen Fuge. Der emotionale Höhepunkt, den der Dirigent Konrad Heimbeck auch einmal weidlich ausweidet, liegt im dritten Teil: Die Mutterliebe als „fons amoris“, als Quelle der Liebe überhaupt, rückt Rheinberger in helles G-Dur, setzt sie in einen wiegenden Sechsvierteltakt und schmückt sie mit einer liebefließenden Melodik der Frauenstimmen, die sich dann in chromatischer Harmonik schmerzlich aufbäumt. Berückend singen die Frauenstimmen, geradezu zärtlich von den Streichern umschmeichelt.

Zu Beginn des Konzerts schweben die schlicht-leichten Klänge des „Ubi caritas“ von Ola Gjeilo (geboren 1978) sowie die wohllautenden Harmonien des „O Lamm Gottes“ von Max Reger nach oben und verhallen im Gewölbe.

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Dagegen schieben sich in der von Gesualdo komponierten Ölberg-Szene („Tristis est anima mea“) die Akkorde scheinbar ineinander man glaubt, Christi Blutstropfen schwer zu Boden fallen zu sehen. Die verschärfte Expressivität bei den Worten „Vos fugam capietis“ („Ihr werdet die Flucht ergreifen!“) deutet die Flucht der Jünger an, alles ist vom Chor ausdrucksstark gesungen.

„Also hat Gott die Welt geliebt“ kommt zweimal, einmal als Schütz-Motette, in der sich die Sänger und Sängerinnen des Kammerchors gesanglich wirklich zu Hause fühlen, dann in der englischen Textversion, vertont von John Stainer (1839-1901), hochromantisch expressiv aufgeladen mit von innen heraus glühenden Septakkorden.

Klangsatt und sanftweich

Klangsatt und doch sanftweich erklingt die sechsstimmige Mottete „Adoramus te“ von Claudio Monteverdi, nur mit Basso continuo begleitet, so sanftweich, dass man sich doch eine deutlichere Struktur wünscht.

Konrad Heimbeck lässt auf das Rheinberger’sche „Stabat mater“ unmittelbar Mozarts „Ave verum“ folgen, als ob diese Motette das wahre Ende der Passion wäre: ein ergreifender Abschluss. Das meinten auch die sehr vielen Zuhörer, die herzlich applaudierten.

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