Die Reihe "Klassik! Bad Aibling" feiert 20. Geburtstag

Jubilieren mit Johann Strauß

Die Konzertreihe "Klassik! Bad Aibling" feiert ihren 20. Geburtstag, und sie feiert mit Johann Strauß. Klaus Jörg Schönmetzler, der Kulturreferent des Landkreises Rosenheim und Intendant dieser Konzertreihe, ließ in seiner kurzen Begrüßungsrede die berühmten Künstler Revue passieren, die in rund 130 Konzerten nach Bad Aibling gefunden haben: vom Vogler- bis Rosamunde-Quartett, vom legendären Beaux-Art-Trio bis zum Trio Fontenay, bei den Pianisten von Angela Hewitt bis Olli Mustonen, dazu Sängerstars wie Thomas Quasthoff und Julia Hamari.

Dann trat das Jubelensemble auf: Die "Ungarische Kammerphilharmonie" aus Budapest, die die besten Budapester Orchestermusiker versammelt. Man hörte ein herrlich singendes Cello im "Kaiserwalzer" und in der "Zigeunerbaron"-Ouvertüre eine hinreißend klagende Klarinette und eine melancholisch sinnierende Oboe: Klänge, die diese Operetten-Ouvertüre mit allen schillernden Klangfarben in die Nähe der Oper rückte - wo Johann Strauß sein Meisterwerk auch angesiedelt haben wollte. Nur die Pauke klang recht dumpf, weil sie vom Trommler mit dem Fuß bedient wurde und so im Klang nicht differenzierbar war, und insgesamt dominierten die schmettrigen Trompeten, weil die Geiger nicht in ganzer Orchesterstärke angetreten waren.

Der Dirigent Antal Barnás stammt aus Ungarn, ist aber vor allem in Wien und Linz ausgebildet worden. Er sieht von der Seite aus wie der junge Carlos Kleiber, dirigierte mit beherrschter, fast militärisch straffer Gestik und erzeugte so auch eine straffe Melodik bei den insgesamt fünf Polkas und fünf Walzern. Es herrschte ein ungarisch befeuertes und geschärftes Gefühl für energische Rhythmik, weniger das österreichische Gefühl für den elegant-verschlampten Rhythmus, die nonchalant-lässige "Da-geh-ich-ins-Maxim"-Haltung, die die Walzermelodien so champagnerbeschwingt leicht torkeln lässt. So wirbelten die "Freikugeln"-Polka und die Polka "Stürmisch in Lieb' und Tanz", dem Titel entsprechend, sehr flott und knallig vorüber, die Orchestermannen sangen fröhlich ihr sinnfreies "Lalalala" in der "Bauern-Polka".

Aber die Ungarn konnten auch einen Walzer "Hereinspaziert!" von Carl Michael Ziehrer mit schwebender Eleganz servieren, die "Rosen aus dem Süden" glänzten südlich hell und die "Schöne blaue Donau" floss in glitzernden Wellen festlich vorüber. Insgesamt herrschte etwas heilig-feierliche Stimmung, weil kein Moderator, kein Tanzpaar, keine Sängerin dazwischen auftrat, es nur die reine hehre Musik gab. Dann aber: ein echt ungarisch-feurig beschwingter Radetzky-Marsch, der die Füße der Zuhörer fast zwangsläufig wippen ließ und zum Tanzen, nicht zum Marschieren animierte. Und die beiden gern gewährten Zugaben kamen auch ganz ungarisch: die Polka schnell "Eljen a Magyr!", zu deutsch: "Hoch der Ungar!" und, zum Abschluss der mitreißende Ungarische Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms. Die Zuhörer geizten nicht mit Bravorufen und Applaus.

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