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Biennale Bavaria International

Jederfrau in Wasserburg: Die Buhlschaft singt Beatles-Song und Pfarrer Schießler spielt den „Glauben“

Die guten Werke (Lucia von Damnitz) und der Glaube (Rainer Maria Schießler) geleiten Jedermann (Ulrike Dostal, Mitte) in den Tod.
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Die guten Werke (Lucia von Damnitz) und der Glaube (Rainer Maria Schießler) geleiten Jedermann (Ulrike Dostal, Mitte) in den Tod.

Das Filmfestival Biennale Bavaria International startete im Rathaussaal mit dem Theaterstück „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal. In der stark veränderten Fassung spielte Ulrike Dostal die „Jederfrau“, Philipp Andriotis gab als Latin Lover die Buhlschaft. Die Rolle des „Glaubens“ verkörperte Pfarrer Rainer Maria Schießler.

Wasserburg – Die Biennale Bavaria International, das Festival des neuen Heimatfilms, startete nicht mit einem Film, sondern mit einem Theaterstück, nämlich dem „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal, im Wasserburger Rathaussaal.

Vertauschte Geschlechter

Allerdings mit einem von Anna Funk stark bearbeiteten und abgeänderten „Jedermann“: Jedermann ist eine Frau und heißt Anastasia Jedermann, trinkt Pina Colada aus der Dose mit ihrer bairisch sprechenden guten Gesellin (präsent: Christine Kellerer). Ihre Buhlschaft ist ein spanischer Sänger mit Gitarre, Pferdeschwänzchen, Lederjacke und Dreitagebart. Der dicke Vetter ist eine dicke Tante (sehr gut auch in Mimik und Gestik: Alexandra Jantos) und Mutter des dünnen Vetters (präzise: Marcel Güds). Nicht die Mutter, sondern der Vater (seinen Text schön zelebrierend: Wulf Schmid-Noerr) redet ihr ins Gewissen. Die Jederfrau will sich ein „Lusthaus als offenen Altar“ mit Brunnen im Garten bauen lassen von einem Unternehmer, der wegen der Verwendung von Schwarzarbeitern ins Gefängnis muss – es ist der „Schuldknecht“ der Urfassung.

„Die Inszenierung setzt sehr aktuelle Bezüge zur Spaßgesellschaft, die „in Spannung zu Not und Ausbeutung steht“, heißt es dementsprechend im Programmzettel. Auch musikalisch wird viel aktualisiert: Beim Fest mit Glitzerkonfetti trinkt man Bier aus Maßkrügen (auch wenn im Text immer vom Wein gesprochen wird), singt „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ und schließlich das Wasserburger Lied (Ja, das gibt es!), die Buhlschaft, als es ernst wird, ganz programmatisch den Beatles-Song „Oh, Darling“.

Passend für den Rathaussaal

Die Inszenierung passt gut auf die Bühne des Rathaussaales mit dem ein Fest zeigenden Wandgemälde. Sie war wohl ursprünglich für eine Aufführung im Freien geplant, deshalb geraten die Figuren oft ins unverständlich werdende Schreien, auch behinderte das häufige Zur-Seite-Reden die Verständlichkeit – sonst wird aber wohlartikuliert gesprochen.

Als Gott predigt mit großer Stimmkraft Amadeus Bodis vom Balkon aus, ruft als weißgekleideter Tod von hinten zum Sterben auf und wütet am Ende als Teufel in roter Latzhose fassungslos, weil er Jedermann nicht kriegt.

Die Buhlschaft als Latin Lover

Philipp Andriotis gibt anfangs als Buhlschaft den Latin Lover und zieht dann als Mammon gar recht vom Leder, wenn er tierisch schnaufend aus seiner güldenen Mülltonne kriecht, auf ihr wacklig balanciert und schließlich irre lachend und türenknallend abtritt. Die Regisseurin Anna Funk spielt großtönig die arme Nachbarin, Roland Schneider groß jammernd den Unternehmer.

Pfarrer Schießler verkörpert Glauben

Ulrike Dostal kommt vom Münchner Gärtnerplatztheater, sie agiert als Anastasia Jedermann sehr routiniert und entwickelt große Intensität und glaubwürdige Wandlung bis hin zum freudigen Sterben. Dabei stehen ihr zur Seite die guten Werke und der Glaube: Der „Glaube“ ist Rainer Maria Schießler, der Pfarrer von St. Maximilian in München und ehemalige Kaplan von St. Nikolaus in Rosenheim. Er predigt in weißer Albe geradezu glühend von der Lebenskraft des Glaubens an die Heilungskraft Jesu.

Zart und doch von überwältigender Innigkeit wächst Lucia von Damnitz als „Gute Werke“ zu gläubiger Autorität heran, singt schließlich ihren Text und geleitet Jedermann mit dem Bach-Lied „Bist Du bei mir“ auf den Lippen ins Grab: ein stimmiges Schlussbild.

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