Jazz trifft Foto in Städtischer Galerie Rosenheim: Musikalische Befreiung aus dem Lockdown

Valentin Preißler (links) und Philipp Schiepek untermalten die Fotoserien in der Städtischen Galerie musikalisch.
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Valentin Preißler (links) und Philipp Schiepek untermalten die Fotoserien in der Städtischen Galerie musikalisch.

Konzerte im Rahmen von Ausstellungen in der Städtischen Galerie erweitern das „Gesehene“ um das live Gehörte zu einem ästhetischen Gesamterlebnis. Bewusst bot der Kunstverein zur aktuellen Ausstellung zwei jungen Jazzern ein Forum auch als Gelegenheit, endlich wieder vor Publikum spielen zu können.

Von Andreas Friedrich

Rosenheim

Fotografisch ist das Thema von Christine Meder mit ihrer Serie „Lockdown“ verarbeitet, die die menschenleere Münchner Innenstadt zeigt. Umso mehr war es dem aus Rosenheim stammenden Saxofonisten Valentin Preißler und seinem Duo-Partner, dem Gitarristen Philipp Schiepek, anzumerken, dass sie sich über Öffentlichkeit und Applaus freuten. Die beiden begannen verhalten, dezent und gleichermaßen vertrackt mit einer Hommage an den Autor Ian MacEwan („Abbitte“, „Der Zementgarten“) mit dem Titel „The Poet“.

Ein angehauchtes Saxofon und sanftes Glissando auf den Saiten ließen Töne entstehen, die wie Luftblasen an eine Wasseroberfläche aufstiegen. Etwas bluesiger geriet der Standard „Stella by Starlight“, ein Stück aus dem Repertoire Frank Sinatras und vieler anderer Stars. Großstadtrhythmus und Anspannung gab es auf dem „Gleis 11“, eine kompositorische Anspielung Preißlers auf das Hecheln unter Zeitdruck zu den im Münchner Hauptbahnhofsehr weit außen angesiedelten Bahnsteigen für Züge Richtung Rosenheim und Salzburg.

Aufmerksam lauschte nicht nur das Publikum den wegen der Akustik des Raums meist dezent gespielten Passagen, auch Anke Doberauers Gemälde „Josef“ (wir berichteten über die Ausstellung in der Kunstmühle) wirkte quasi als „dritter Mann“ im Trio mit.

Schiepek, einer der interessantesten Newcomer der Münchner Jazzszene, und Preissler spielten sich immer wieder in kleinen, feinen Improvisationen die klanglichen Bälle zu und boten einige überraschende Momente mit Stücken, die in Dynamik anstiegen und wieder abflauten. Mit skandinavisch-wehmütigem Ton erinnerte Preißler an seinen vor vier Jahren verstorbenen Vater, gefolgt im Kontrast dazu von „The sunny side of the street“. Fröhliche Töne und schöne Improvisationseinlagen waren das Finale eines wohltuenden und spannenden Konzerts in kleiner Besetzung. Als „I-Tüpfelchen“ kredenzten die beiden noch eine wegen des Namens stimmig kurze, aber effektvolle Widmung an den großen Wayne Shorter – vom Publikum gab es begeisterten Applaus.

„Kunst aktuell in der Städtischen Galerie Rosenheim“: Endlich wieder Kunst zum Anfassen

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