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Jarezöd: Ein Ort, ein Name, viele Deutungen

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Keine Frage: Im Umkreis von Jarezöd ist der Name dieses Dorfes, das in der Gemeinde Großkarolinenfeld an erhöhter Stelle unweit von Thann liegt, erstens sehr bekannt und zweitens gut erschließbar: Die Ortschaft heißt nämlich bei der einheimischen Bevölkerung nicht „Jarezöd“, sondern „Dred“.

Wer kennt nämlich nicht das Jarezöder Gasthaus „Wirt von Dred“? Wer hat noch nicht die „Dreder Musi“ gehört, die Musikkapelle, die in der Regel – die Corona-Zeiten ausgenommen – auf dem Rosenheimer Herbstfest aufspielt?

Die Ortsbezeichnung „Dred“ – wenn man schon nicht von einem zumindest halboffiziellen Ortsnamen sprechen will – kann man als eine Verknappung der Ortsangabe „a (= in) der Öd/Ed“, schnell gesprochen „Dred“, auffassen und erklären. Oder gäbe es hierzu noch eine andere Erklärung? Es gibt sie tatsächlich. Und das sogar, ohne das Grundwort „Öd“ und das Bestimmungswort „Jarez“ he ranzuziehen!

Eine dieser Erklärungen ist im „Mangfallgau“, der Zeitschrift des Historischen Vereins Bad Aibling, nachzulesen. In der Ausgabe von 1965 zitiert der Autor Peter Bergmaier die Auffassung des Ortsnamenforschers Allmer, wonach „Dred“ sich direkt von lateinisch „divortium“ = Weggabelung, Wegscheid herleite. Würde das stimmen, wäre der Name Dred – nicht Jarezöd! – einer der sehr seltenen römischen Ortsnamen, die eine Namenskontinuität übers Mittelalter hinweg bis in die Neuzeit aufweisen. Berühmte Beispiele: Köln (Colonia), Koblenz (Confluentes), Augsburg (Augusta) und in unserer Region Langen- und Leonhardspfunzen (Pontena). Ein „Divortium“ lag im Falle von Dred insofern vor, als sich hier in der Nähe die Römerstraße („Via Julia“) zwischen Salzburg (Iuvavum – keine Kontinuität!) und Augsburg mit der Römerstraße von Innsbruck nach Regensburg kreuzte.

Vo Ort zu Ort-Leser Professor Dr. Hilmar Mund hat hierzu eine Art von Abwandlung von „divortium“ anzubieten, indem er sich an die These seines Rosenheimer Lateinlehrers Brandmaier vor einigen Jahrzehnten erinnert, der damals für „Dred“ die lateinische Grundlage „Trivium“ = Dreiweg, Scheideweg, Kreuzung verkündete.

Aber eine offizielle Lehrmeinung ist die direkte Herleitung von einer lateinischen Wegscheide (noch) nicht. Vielmehr wird bei „Dred“ zumeist der Bestandteil „Öd“ angenommen.

Eine Öde, bairisch Öd, gesprochen mit kurzem e oder mit ungerundetem kurzen ö, kommt laut Ortsnamenforscher Hans Meixner von mittelhochdeutsch oede, althochdeutsch odi, womit „Siedelungen in einsamer, also noch nicht kultivierter Gegend, zumeist wohl Einzel- und Hofausbauten größerer Ortschaften“ bezeichnet wurden.

Für die oben stehende Erklärung von Dred als Kurzform von „a der Öd“ können wir als Parallelfall eine Ortschaft in der Großgemeinde Weischlitz im Vogtlandkreis in Sachsen heranziehen: „Dröda“! Dieser Ort ist erstmalig 1328 belegt, und zwar als „zu der Ode“.

Adolf Bach erklärt in „Deutsche Namenkunde“ den Namen durch „angewachsene Teile“, also per Agglutination. Nicht nur zwecks Namenvergleich schlagen wir hier eine innerdeutsche Partnerschaft zwischen Dred und Dröda vor! Was hat es aber mit dem Bestimmungswort Jarez auf sich? Da wird die Religion ins Spiel kommen. Demnächst mehr! Armin Höfer

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