"Bilder aus der Schatzkammer" zum 90. Geburtstag von Hildegard Bauer-Lagally

70 Jahre Malerei

"Die Ritter", Acrylbild von Hildegard Bauer-Lagally.  Fotos Giesen
+
"Die Ritter", Acrylbild von Hildegard Bauer-Lagally. Fotos Giesen

Bilder aus fast 70 Jahren eines Künstlerlebens voller Kreativität und Lebenskraft sind in der Jubiläumsausstellung von Hildegard Bauer- Lagally in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus zu sehen. Unter dem Titel "Bilder aus der Schatzkammer" zeigt die seit Jahrzehnten auf dem Thomahof in Arlaching bei Seebruck lebende Künstlerin 24 ausgewählte Aquarell- und Ölbilder, die die verschiedenen Stationen ihrer Malerei zeigen. Selbst in den schweren Kriegszeiten mit kleinen Kindern am Thomahof holte sich HBL, wie sie ihre Bilder signiert, immer wieder Kraft und Freude aus ihrer Malerei. Ein buntes Bild an exponierter Stelle zeigt den geliebten Thomahof in einzelnen Bildausschnitten.

Das zeitlich früheste Bild stammt aus dem Jahr 1941 - ein schönes, noch ganz realistisch gemaltes Blumenbild. Zu der Zeit hielt sich Hildegard Lagally noch streng an die Vorgabe der Münchner Malschule, die lautete: "Wenn du nicht zeichnen kannst, kannst du auch nicht malen!". Das veranlasste sie zu intensiven Studien. Später studierte sie an der Münchner Kunstakademie bei Professor Constantin Gerhardinger und bald stand die Landschafts- und Naturmalerei im Mittelpunkt ihres Schaffens. Die Ausstellung zeigt einige sehr schöne Landschaftsbilder, zum Beispiel viermal den "Blick von Baumburg nach Altenmarkt" - morgens, mittags, abends und in einzelne Bilder zerlegt.

In dieser Serie wird ihre malerische Entwicklung schon gut deutlich. Immer mehr verlegte sich die Malerin darauf, einzelne Motive, oft auch Ornamente, auszuschneiden, zu zerlegen und zu spiegeln. Ihre Arbeitsweise wird besonders in dem Papierbild "Pointilistischer Versuch" oder "Von der Wirklichkeit zur Struktur" deut-lich. Besonders durch ihre häufigen Aufenthalte in Marokko entwickelte sich HBLs intensive Auseinandersetzung mit der Ornamentik. In der Präsentation sind daher eine Reihe kleiner Ornamentbilder mit goldfarbenen Rahmen zu sehen, die die Künstlerin zum Titel der Ausstellung inspirierten. Fast alle gezeigten Werke sind von erfrischender Farbigkeit und verströmen eine lebensbejahende Atmosphäre.

Eine sowohl persönliche als auch hoch sachverständige, freie Einführung in die Malerei der Künstlerin gab die Kunsthistorikerin Hedwig Amann bei der Eröffnung der Ausstellung. Sie bezeichnete die Künstlerin in der Offenheit und Ehrlichkeit ihrer Malweise als Glücksfall für die Malerei in der Region. Ihr Schaffen sei eine Brücke zwischen klassischer Malerei und Moderne. Zu der kreativen, sorgfältigen und absolut fundierten Ausarbeitung der Motive habe sie mit ihren gleichsam zerschnittenen Bildern auch eine bisher wahrscheinlich noch unbekannte Technik gefunden. Für ihre besonderen Bildvorstellungen in zerlegte Einzelstrukturen prägte Amann daher den Begriff "benennbare Abstraktion". "Hildegard Bauer-Lagally lehrt den Betrachter nicht nur mit anderen Augen sehen, sondern auch reflektieren und empfinden", so die Kunsthistorikerin.

In der Ausstellung gibt es auch den vom Soroptimist-Club Traunstein herausgegebenen Benefizkalender, für den die Künstlerin eine Reihe ihrer Bilder zur Verfügung stellte.

Die Präsentation ist bis Freitag, 21. Januar, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Kommentare