Kunstverein Bad Aibling stellt aus

Italienische Impressionen

43 Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich an Mitgliederausstellung des Kunstvereins Bad Aibling in der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus. Nur ein Exponat darf jeder zeigen. Eine Jurierung erfolgte nicht, dafür gibt es wieder ein fixes Thema: "Italien". Positiv fällt dabei sofort auf, dass die Exponate nicht Platitüden oder übliche Klischees des doch wohlbekannten Urlaubslandes zeigen. Es finden sich von abstrakt bis realistisch, von Acryl bis Fotografie und Skulptur viele interessante Auseinandersetzungen mit dem Sujet.

In Einzelfällen humorvoll, gingen die Künstler häufig auch auf sensible und stille Weise mit dem Thema um, etwa bei Details oder Randnotizen, die den Charme und den Charakter des Landes zeigen sollen. Gutes Beispiel ist dafür "Die Kellnerin" von Gertruda Gruber-Goepfertova, eine unaufdringlichen, dennoch gefühlvoll-präsenten Ölinterpretation einer typischen Straßencafé-Szenerie. Eine andere Seite von "Bella Italia" zeigt Hildegard Manzke mit ihren Fotografien, kein Blick auf Strandherrlichkeit, sondern auf Weggeworfenes, zwar beinahe poetisch mit einem Efeu-umrankten Motorrad, aber eben auch mit haldenartigen Ablagerungen ausrangierter Möbel, dem Müll der Zeit.

Beherrscht wird die Ausstellung natürlich von vielen Landschafts- und Stadtansichten, prägenden Reiseeindrücken. Die erfolgten teils realistisch, teils sehr abstrakt. Letzteres etwa beim "Etna" von Brigitte Bosshammer, in glühend-oranger Eruption auf düsterem Hintergrund oder bei "Kalabrien" von Margit Piffer betont erdig. Der Tendenz zur Abstraktion steht ein Trend zum Realismus bei einigen Künstlern gegenüber, etwa bei "Toskana" von Herbert Helbich oder beeindruckend fotorealistisch bei "Via Roma" von Peter Umrath und "Eine Nacht in Venedig" von Edmont Kies.

Zwischen den beiden Positionen von gegenstandslos und nahfotografisch finden sich Abstufungen, Werke wie das sanft in blau und orange gehaltene Aquarell "Venedig Salutekirche" von Christa Herlitz oder die schemenhafte Mischtechnik "Am Kanal" von Alfons Röckl, das in Weißtönen gehalten besonders durch seine geringen Farbabstufungen den Blick anzieht.

Das Menschliche und Zwischenmenschliche werden ebenfalls Teil der Thematik, wobei "Amore" recht unterschiedliche Impressionen bietet. Bei Monika Arndt recht expressiv in Acryl einen Bilderbuch-Macho mit einer Frau, die nachgiebig die Augen zuschlägt, bei Marianne Igels Mischtechnik eine abstrakte Farbexplosion mit zentralem Blutrot. Die Skulptur "Mafia" von Dele Mahal begrüßt die Besucher bereits am Eingang der Galerie, ein Herr im schwarzen Anzug, die Finger der linken Hand zur Pistole geformt. Zum Fantastischen hingegen tendiert "In Vino Veritas" von Sabine Koschier, mit blauen Trauben und einer klassischen Skulptur-Schönheit, die in Dunstschwaden versinkt. Die Kraft des Momentes spürt man mit dem Wagenlenker in "Fortezza" von Nalani Krabichler, mit vier voranstürmenden Rappen und dem Kolosseum im Hintergrund.

Eine große Mischung weiterer Italien-Impressionen finden sich in der Ausstellung: die Gouache "Karneval" mit einer zentralen Maske, die wie aus dem Nebel von Venedig aufzutauchen scheint oder eine Trilogie der Handabformungen von Adele Elliott mit "Espresso/Gelati Pizza-Snack", typisch für das stiefelförmige Land. Auch dessen Form wird thematisiert, mit einer eher humorigen "Stiefelreise in Italien" von Waltraud E. Müller.

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