„Inselkonzerte“ spielen sich beschwingt aus dem Corona-Lockdown

Nils Mönkemeyer an der Bratsche und William Youn am Flügel spielten wunderbar beseelte Stücke beim ersten öffentlichen Konzert in der Corona-Zeit im Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes auf der Herreninsel.
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Nils Mönkemeyer an der Bratsche und William Youn am Flügel spielten wunderbar beseelte Stücke beim ersten öffentlichen Konzert in der Corona-Zeit im Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes auf der Herreninsel.

Das wohl für die meisten erste Live-Konzert nach drei Monaten war sicherlich für alle Zuhörer ein Erlebnis. Im Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes im alten Schloss auf der Herreninsel spielten der Bratschist Nils Mönkemeyer und Pianist William Youn.

von Christiane Giesen

Chiemsee– Wegen der Corona Vorschriften war das „Hauskonzert ohne Gage“, wie es Konzertmoderator Dr. Wolf-Dieter Seiffert bezeichnete, auf eine Stunde ohne Pause begrenzt, wobei alle Zuhörer Mundschutz tragen und entfernt voneinander sitzen mussten. Die kleine Beeinträchtigung war schnell vergessen.

„Lieder ohne Worte“

Die beiden „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy „Suleika“ 1836 komponiert, und „Schilflied“, eröffneten das wundersam inspirierte Zusammenspiel der beiden Musiker. Die beiden Interpreten überzeugten durch ihr beschwingtes, technisch virtuoses Spiel, wobei die Spielfreude – endlich wieder vor Publikum! – bei jedem Ton mitzuschwingen schien. Es folgte Franz Schuberts Sonate a-Moll für Viola und Klavier, D 821 „Arpeggione“, ein „Paradestück für Bratsche“, bei dem die ganze Bandbreite dieses erst 1884 erfundenen Instrumentes zum Tragen kommt. Wie Musikwissenschaftler Dr. Seiffert, auch Vorsitzender des Freundeskreises Inselkonzerte, zuvor erläuterte, wurde der Arpeggione erst 1823 vom Wiener Geigenbauer Johann Georg Stauffer erfunden. Das Instrument verband Merkmale der Gitarre mit sechs Saiten und flachem Boden mit denen des Violoncellos für Streicher.

Als Kuriosum wäre der Arpeggione vermutlich schon lange vergessen, hätte nicht Franz Schubert seine Sonate für dieses Instrument und Klavier geschrieben. Den Part übernahm virtuos von BMönkemeyer, wobei das musikalische Thema der zwei Jahre zuvor geschriebenen „Unvollendeten“ von Franz Schubert aufgenommen und immer wieder variiert wird. Das Stück endet mit einem furios tänzerischen Allegretto – ein herausragendes Musikerlebnis.

Als Drittes, ebenfalls selten gespieltes Stück erklang die Sonate für Violine und Klavier, die so genannte „FAE-Sonate“ von drei Komponisten: Albert Dietrich, Robert Schumann und Johannes Brahms, wobei der Erstgenannte heute fast vergessen ist. Die Gemeinschaftskomposition entstand 1853 als Geschenk und zu Ehren des Geigers Joseph Joachim in Düsseldorf. Dessen Motto „F.A.E. – frei, aber einsam“ – war damals abgekürzt das Motto des Geigers, das die drei befreundeten Komponisten – Albert Dietrich, ein Schüler von Robert Schumann – in allen Sätzen in Noten umsetzten, teilweise auch in umgekehrter Reihenfolge. Es entstand naturgemäß eine Sonate, bei der die Sätze nicht so recht zusammen zu passen scheinen.

Viel Applaus von wenig Publikum

Wuchtig erklang der erste Satz, Dietrichs Allegro, immer wieder FAE, FAE …, anscheinend endlos. Ganz anders darauf Schumanns melodiöses Intermezzo „bewegt doch nicht zu schnell“, der Zeit seines Lebens Spaß an solchen Abkürzungen hatte. Im Anschluss dann Brahms Scherzo, der nach der Interpretation Dr. Seifferts, das Motto „einsam“ nicht unbedingt als negativ aufgefasst haben mag. Am Ende riesengroßer, glücklicher Applaus eines vergleichsweise geringen Publikums, worauf – Corona-bedingt – keine Zugabe folgen durfte.

Beglückend aber war wohl für Interpreten wie Zuhörer das Ver-sprechen der baldigen Fortsetzung dieser Inselkonzerte am Sonntag, 5. Juli, mit dem Pianisten Alexej Gorlatch.

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