Max Müller und Triebwerk9 im Rathaus Bad Aibling

Improvisation und Wiener Schmäh

Die Band Triebwerk 9 und Vorleserin Renate M. Mayer (Zweite von links). Foto Binder
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Die Band Triebwerk 9 und Vorleserin Renate M. Mayer (Zweite von links). Foto Binder

"Keiner hatte mit solch einem großen Erfolg gerechnet. Wir sind überglücklich." Benno Kretschmann, der Erste Vorsitzende des Kunstvereins Bad Aibling, berichtet stolz über das aktuelle Projekt "Vor-Ab-Riss". Bei der künstlerischen Gestaltung des Rathauses in Bad Aibling (wir berichteten) und vor allem auch bei der Zusammenstellung des kulturellen Programms legten die Organisatoren viel Wert auf Ausgewogenheit und Abwechslung. Auch ein Benefizkonzert sollte nicht fehlen und dafür konnten namhafte, interessante Künstler gewonnen werden. Max Müller, Sänger und Schauspieler, bekannt als Rosenheim-Cop Michi Mohr, reiste extra aus Wien an, um im Bad Aiblinger Rathaus zu singen, das demnächst abgerissen wird.

Verschmitzt und charmant bot der Kärntner Chansons von Georg Kreisler dar. Ihm gelang es dabei wunderbar, den Wiener Schmäh und den Sarkasmus der immer wieder faszinierenden Kreisler-Texte herauszuarbeiten. Sicher und zurückhaltend begleitet wurde Müller von Lilo Theiner am Piano. Gesang und Klaviermusik, mehr brauchte es gar nicht. Denn die Songs sind sowieso eine Klasse für sich und mit seinem schauspielerischen Geschick verlieh ihnen Müller zusätzlich eine ganz besondere Note.

Damit auch an diesem Abend für die nötige Abwechslung gesorgt war, sang Max Müller nur eine Stunde. Im Anschluss konnte das Publikum noch etwas völlig anderes genießen: die Band Triebwerk 9 und Renate M. Mayer. Triebwerk 9 ist eine Improvisationsband. Die Musiker spielen und singen, was ihnen gerade im Moment einfällt. Inspiriert wurden sie beim Benefizkonzert in Bad Aibling von dem ganz speziellen Auftrittsort, den Zuschauern und vor allem von Renate M. Mayer. Die Vorsitzende des Rosenheimer Theaters Tam-Ost las gekonnt und mit großer Ausdrucksstärke reizende, freche, ergreifende oder lustige Liebesgedichte aus dem 18. Jahrhundert. Auch sie musste sich überraschen lassen, was Triebwerk 9 aus dieser Inspiration entwickelte. Und das war abwechslungsreich und interessant.

Sängerin Katharina Gruber-Trenker, Hannes Herzog am Schlagzeug und ebenfalls als Sänger, Bassist und Saxofonist Mathias Bogenberger und Uli Warkentin an Gitarren, am Hang - einem ganz besonderen schweizerischen Instrument - und diversen Trommeln sind ein eingespieltes Team und hervorragende Musiker. Meist entstanden ihre Lieder an diesem Abend im alten Rathaus aus einem Rhythmus, den einer vorgab. Die anderen stiegen nach und nach ein, trommelten, schnalzten mit der Zunge, spielten mit Lauten, selten auch mit Texten. Die Songs waren mal langsam und still, mal fetzig und fordernd, mal jazzig angehaucht, dann wieder hatten sie einen fast orientalischen Einschlag. Die Gedichte konnte man in manchen Strophen auch wirklich heraushören.

Das Benefizkonzert im Rahmen der Aktion "Vor-Ab-Riss" war ein voller Erfolg. Die Einnahmen gehen an die PDO-Klosterschule in Mandalay in Burma und den deutsch-burmesischen Kunst- und Kulturverein, der im Moment in der Gründungsphase ist.

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