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Interview

Immling-Festival: Trotz allem den Optimismus behalten

Intendant Ludwig Baumann bleibt trotz der schwierigen Saison optimistisch.
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Intendant Ludwig Baumann bleibt trotz der schwierigen Saison optimistisch.

Das Immling-Festival gibt es nun seit 25 Jahren, als Ludwig Baumann am See Mozarts „Zauberflöte“ inszenieren wollte, wegen des schlechten Wetters aber in seine Reithalle umziehen musste: die Geburtsstunde des Opern-Festivals. Eigentlich hätte schon letztes Jahr jubiliert werden sollen, was die Corona-Pandemie aber verhindert hatte.

Halfing – So war die heurige Saison das offizielle Jubiläumsjahr. Was aber ein unbeschwertes Feierjahr hätte werden sollen, entwickelte sich zu einem „Horror-Jahr“, wie Intendant Ludwig Baumann in einem die Saison resümierenden Gespräch sagt.

Warum „Horror-Jahr“?

Ludwig Baumann: Wir konnten schon jubeln darüber, dass wir überhaupt spielen durften. Wir wussten ja bis April nicht, ob oder nicht. Wir haben mit 200 Zuhörern angefangen, dann hieß es, die Staatsoper darf das, dann dürft ihr das auch: Mit Schachbrettmuster durften wir 120 Leute mehr reinlassen. Das war ja ein Traum – statt wie sonst 760 Leute im Publikum. Das hieß aber auch: dieselben Kosten, aber nur ein Drittel der Einnahmen. Unser Bundesfinanzminister hat uns ja ermutigt zu spielen: Das, was uns dann fehlt, wird uns „ganz unbürokratisch“ ersetzt. Damit verbunden waren aber gefühlt Tausende von Anträgen!

Haben die Sponsoren in dieser Zeit geholfen?

Baumann: Extrem. Es sind so gut wie alle dabeigeblieben, viele haben auch noch etwas draufgelegt!

Und wie haben sich die Wetter-Kapriolen ausgewirkt?

Baumann: Ich saß im Garten und sagte zu meiner Frau: Oh, jetzt wird’s brenzlig! Und dann kam der Hagel runter und 500 Jahre alte Bäume fielen um.

Gab‘s denn viele Regentage?

Baumann: Wir haben vom Juni bis Ende August gespielt und wenn wir fünf oder sechs schöne Tage hatten, war es viel. Der Rest war Regen. Aber den Optimismus haben wir nicht verloren – sonst hätten wir ja dieses Jahr überhaupt nicht gespielt!

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Wie hat sich die Situation für die Sänger-Engagements ausgewirkt?

Baumann: Wir hatten ja Sänger für 2020 engagiert gehabt und zwei Opern geprobt. Dann haben wir alle nach Hause geschickt. Im Herbst 2020 haben wir die Sänger wieder engagiert mit der Hoffnung auf 2021. Im November haben wir sie wieder gekündigt, im Februar/März 2021 haben wir wieder gefragt: Könnt ihr noch kommen? Manche konnten nicht mehr einreisen, zum Beispiel wusste unser georgisches Orchester erst acht Tage vor den Proben, dass sie kommen dürfen. Einige konnten wir nicht mehr herholen. Viele Italiener haben sich nicht mehr getraut.

Wie war die Auslastung in dieser Saison?

Baumann: Die Auslastung lag auf Grund der geringen Anzahl der zugelassenen Besucher bei 95 Prozent. 40 Aufführungen hatten wir geplant, vier mussten wir Corona-bedingt absagen, eine fiel aus wegen des Sturms. Am besten verkauft waren die beiden Opern. „Butterfly“ und „La Cenerontola“ waren total voll, ebenso die „Grande finale“ und unsere Jubiläumsgalas.

In Immling ist man froh, dass man in diesem Jahr überhaupt spielen konnte. Szene aus dem Konzertabend „Leidenschaften“.

War die Aufteilung der Zuschauer im Saal nicht schwierig?

Baumann: Im letzten Jahr hatten wir 8000 Tickets verkauft. Wir mussten zwei neue Ticket-Damen einstellen, und vier Ticket-Damen haben monatlich daran gearbeitet. Wir konnten die Leute ja nicht setzen, weil wir nicht wussten, was wir durften. Bis zum letzten Augenblick saßen die Ticket-Damen und haben Mathematik betrieben.

Welche Konzerte neben den Opern waren besonders beliebt?

Baumann: Das Konzert mit Peter Ludwig war fantastisch. Auch der Cellist Wen-Sinn Yang mit seinen jungen Cellisten war ganz toll. Ich wollte ja unbedingt heuer ein Wander-Konzert machen, worauf ich mich so gefreut hatte. Das war aber drei Tage nach dem Sturm, über allen Wegen lagen Bäume. Das wären immer so 20 Minuten Wandern gewesen, dann wäre zum Beispiel ein kleines Kammerorchester auf der Wiese mit Bergblick gesessen, das Forellenquintett von Schubert wollten wir unten am Weiher machen – wir haben es zumindest draußen im Biergarten gemacht.

Welche Veranstaltung kam weniger gut an?

Baumann: Wir mussten eine Veranstaltung absagen: die Mozart-Eskapaden. Vielleicht war der Begriff „Eskapaden“ nicht zugkräftig für unsere Besucher. Ich denke, jedes Festival hat sein bestimmtes Publikum für bestimmte Musik. Wenn wir Beethovens Neunte spielen, weiß ich nicht, ob es voll wird. Die Leute wollen bei uns Oper und Gesang.

Welche Pläne gibt es für nächstes Jahr?

Baumann: Ich möchte eventuell die Oper „Hamlet“ von Ambroise Thomas spielen. Das ist eine der größten Bariton-Rollen überhaupt, ich habe sie selber in Turin gesungen. Das ist für mich eine der irrsinnigsten Musiken, das ist Verdi, Puccini und Boito zusammen. Und nahe am Shakespeare-Stoff. Aber es ist eine Wahnsinns-Dimension! Und wir werden sicherlich noch mal „Madama Butterfly“ aufnehmen, weil es so erfolgreich war, wir zwei Vorstellungen absagen mussten und gar nicht alle Leute reinbringen konnten. Und noch eine Verdi-Oper. Gerne würde ich noch „María de Buenos Aires“ von Astor Piazzolla machen, eine Tango-Oper. Und dann möchte ich eine Barock-Oper aufführen, nämlich „La verita in cimento“ von Vivaldi mit einem irren Libretto, modern und dekadent. Ich werde alles auf einer Luxusyacht spielen lassen, zusammen mit einer Rockband und Filmprojektionen.

Wird weiter in die Reithalle investiert?

Baumann: Ja, wir haben ein Jahr mit heftigen Baumaßnahmen vor uns: Es wird gut eine Million Euro werden. Alles für den Brandschutz. Wenn ich nicht so viel Liebe zur Musik hätte, hätte ich schon längst aufgegeben. Man braucht vor allem gute Freunde, um zu überleben, der bayerische Staat hilft uns teilweise.

Bleiben Sie da noch optimistisch?

Baumann: Wir haben unseren Optimismus noch nicht verloren.

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