Im Festspielhaus Erl steppt bei „La Guitarra“ der Bach

Stepptanz zur Musik von Johann Sebastian Bach: (Sabine Hasicka), Bass (Alexander Lackner), Gitarre (Julia Malischnig), Saxofon (Edgar Unterkirchner) und Gesang (Jacques le Roux) bildeten ein Patchwork-Programm.
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Stepptanz zur Musik von Johann Sebastian Bach: (Sabine Hasicka), Bass (Alexander Lackner), Gitarre (Julia Malischnig), Saxofon (Edgar Unterkirchner) und Gesang (Jacques le Roux) bildeten ein Patchwork-Programm.

Beim Auftaktkonzert für das Gitarrenfestival innerhalb des Kulturreigens der Trioler Festspiele gibt es ein musikalisches Cross-Over mit überraschenden Rollenwechseln. Mit dabei sind die Kärntner Gitarristin Julia Malischnig und Tenor Jacques le Roux.

Erl – Wie passen ein Heldentenor, der Schubertlieder singt, und ein Jazz-Saxofon, Bach und Piazolla, Gitarrenmusik und Stepptanz zusammen? Gar nicht – außer, wenn alle Künstler Meister ihres Faches sind. Mit einem künstlerischen Patchwork-Programm begann „La Guitarra“, das von der Kärntner Gitarristin Julia Malischnig konzipierte Gitarrenfestival innerhalb des „Kulturreigens“ der Tiroler Festspiele Erl. Corona-bedingt konnte sie nur heimische Künstler einladen – doch selbst die kamen teilweise aus aller Welt, international vor allem aber waren die gespielten Stücke.

Musikalische Rollenwechsel

Der Heldentenor Jacques le Roux zum Beispiel stammt aus Südafrika, ist am Augsburger Stadttheater engagiert, lebt aber in Österreich. Er sang zwei Schubert-Lieder, arios auf- und abschwellend und bisweilen mit heldentenoraler Pracht, damit das Lied zu einem Minidrama vergrößernd. Julia Malischnig übernahm mit ihrer sehr lebendig gespielten Gitarre die Klavierbegleitung, Alexander Lackner zupfte sanft die Kontrabasstöne dazu.

Gitarre übernimmt den Orchesterpart

Noch mehr Cross-Over: Der Tenor sang das Adagio aus dem Gitarrenkonzert „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo, während die Gitarre dazu die Orchesterbegleitung mimte. Zur Gitarre schlich sich schließlich leise aus dem Dunkel das von Edgar Unterkirchner ebenso leise gespielte Saxofon in einem Lied, das von Julia Malischnig aus einem griechischen und kärntnerischen Volkslied („Die Liab is a Traman“) gemixt und mit echt kärntnerisch-melancholischer Stimmung gesungen wurde.

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Alles geriet in wirbelnde Bewegung, als die grandiose Stepptänzerin Sabine Hasicka auftrat – und zwar in einem Stück von Bach, dem Allegro aus dem Doppelkonzert für Oboe und Violine BWV 1060. Kann man Bach tanzen? – und wie! Hasicka lebte die barocke Tanzmusik mit vor Tanzlust vibrierendem Körper und Gummibeinen, die sogar Sechzehntel tanzen können und den Boden so schnell damit traktierten, dass es sich manchmal wie Flamenco anhörte. Da steppte der Bach!

Getanzter Tango

Den getanzten „Oblivion“ von Astor Piazolla bejubelten die Zuhörer, der argentinische Tango „Por una cabeza“ von Carlos Gardel, von Jacques le Roux zärtlich-sehnsüchtig gesungen, rührte sie.

Die Überraschung des Abends aber waren drei Lieder in Afrikaans aus le Roux‘ Heimat, in denen er seinen Heldentenor auf heitere Erzählkunst dimmte, während die drei Musiker zurückhaltend begleiteten und Sabine Hasicka den Inhalt vertanzte: Das Patchwork-Konzert erwies sich als gut gestrickt.

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