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Städtische Galerie Traunstein

Identitätssuche zwischen den Kulturen

Blick in die aktuelle Ausstellung „Andernorts“ im Kulturforum Klosterkirche.
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Blick in die aktuelle Ausstellung „Andernorts“ im Kulturforum Klosterkirche.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Genügend Zeit und viel Offenheit für überraschende Einsichten sollte mitbringen, wer die Ausstellung „Andernorts“ besucht, die noch bis 31. Oktober in der Städtischen Galerie im Kulturforum Klosterkirche gezeigt wird. Fünf Künstlerinnen und zwei Künstler-Duos entführen den Besuchet in fremde Innen- und Außenwelten

Traunstein – Ursprünglich war das Ausstellungsprojekt für das Wiesbadener Frauenmuseum entworfen worden. Die Abfolge der Werke und Installationen ist „wie eine Suchbewegung angelegt, die nach den komplex gedachten Hintergründen, Wechselwirkungen und Kontexten für die Definition von Identität forscht“, erläuterte Galerieleiterin Judith Bader bei der Vernissage. Wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich? Es geht um Bilder von sich selbst oder um die, die andere sich von einem machen. Der Begriff „andernorts“ wird dabei in geografischer, zeitlicher und metaphorischer Weise gebraucht.

Angelika Boeck lädt in ihrem Langzeitprojekt Amice die Besucher zu persönlichen Kurzkommentaren über interkulturelle Begegnungen zwischen Menschen mit deutschem und nicht-deutschem Hintergrund ein. Die Sätze lässt sie auf Stempel ziehen, mit denen Reisepass-ähnliche Broschüren bedruckt werden. Mit Geschichten über Stasi-Akten, Fremdbestimmung und dem Ringen um Autonomie, Selbstbestimmung und das Recht am eigenen Bild beschäftigt sich das Künstlerinnen-Duo Tina Bara und Alba D’Urbano in ihrer Installation „Covergirl: Wespenakte“.

Auswirkungen von Flucht und Vertreibung

Autobiographisch geprägte Familienlegenden und die generationenübergreifenden Auswirkungen von Krieg, Flucht und Vertreibung auf die eigene Identitätswahrnehmung thematisiert die Münchner Künstlerin Shirin Damerji. Sie setzt in „Böhmen, Ur und Abraham“ auf Erzählungen, die mit zeichnerischer Raffinesse in mit Tusche kolorierten Drucken umgesetzt sind.

Generationenübergreifende Familienlegenden und die durch Krieg, Flucht und Vertreibung ausgelösten Traumata macht die Münchner Künstlerin Shirin Damerji zum Thema.

„Die Brüchigkeit von Identitäten“

Den Grenzbereich zwischen Traum und Wirklichkeit sowie dem Unbewussten und Verdrängten lotet Jutta Burkhardt aus. In Fotografien und Tuschezeichnungen oder mittels Vitrine, Leuchtkasten und einer Videoinstallation lässt sie wildverschlungene Muster, Wald und Naturszenen zu ästhetisch reizvollen oder bedrohlichen Manifestationen des Irrationalen werden. Zu einer interkulturellen Chiffre der Gegenwart transformiert Rose Stach einen „Steinewerfer“, der als Silhouette aus einem zur Leinwand umfunktionierten Orientteppich heraussticht. Ob sich der Demonstrant in Asien, Berlin oder Palästina gewaltsam Gehör verschaffen will oder ob gar ein Speerwerfer einer antiken Vase die Inspiration angeregt hat, lässt sie offen.

Das aus einem mit Silberfarbe beschichteten Orientteppich herausgearbeitete Motiv des „Steinewerfers“ von Rose Stach macht das Bild eines Widerstandskämpfers über alle kulturellen Grenzen hinweg zur Ikone.

Fotos und Videos des Künstler-Duos „Toffaha“

Fremdheit, Isolation, Einsamkeit und Zeitlosigkeit strahlen die Foto- und Videoarbeiten des Künstler-Duos „ Toffaha “, Rasha Ragab und Christoph Nicolaus, aus. Sie zeigen als wiederkehrendes Motiv eine ganz in Schwarz gehüllte Frau mit Burka an entlegenen Orten als Beobachterin, mal statisch, mal in Bewegung. Trotz der Ausstrahlung innerer Distanz entfalten die Werke bei längerem Betrachten eine poetische Kraft der Stille.

Akustisch indie Welt des Orients

Ganz im Unterschied dazu lässt Adidal Abou-Chamat, die Initiatorin der Ausstellung, den Besucher bereits beim Betreten des Ausstellungsraums akustisch in die Welt des Orients eintauchen. Tanzszenen im Video, Möbelstücke und bildkräftige Motive, die unterschied-lichste Medien kombinieren und mitunter an Comics erinnern, ziehen den Betrachter zum Teil soghaft in einen Strudel heftiger interkultureller Identitäts- und Selbstfindungsprozesse. Die in München geboren Ethnologin und Künstlerin versteht es in ihrer Raumin-stallation dabei auf faszinierende Weise, die Wucht individueller, auch sexueller Erfahrungen mit überper-sönlicher Aussagekraft aufzuladen.

Bis 31. Oktober

Die Ausstellung ist Mittwoch bis Freitag von 11 bis 17 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Die Möglichkeit zum Ausstellungsrundgang mit den KünstlerInnen besteht am Sonntag, 31. Oktober, um 15 Uhr. Eine Anmeldung ist unter Telefon 0861/ 16 43 19 erforderlich.

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