„Hoffmanns Erzählungen“ als surrealer Sinnesrausch in Wasserburg

Zwischen literarischem Genie und Wahnsinn: E.T.A Hoffmann (Mario Eick).
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Zwischen literarischem Genie und Wahnsinn: E.T.A Hoffmann (Mario Eick).

Mit einer überzeugenden Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“ meldete sich das Theater Wasserburg nach coronabedingter Zwangspause zurück. Geboten wurde ein fantastisches Musiktheater, in dem E.T.A. Hoffmann den schaurig-schönen Figuren aus seinen Novellen und Geschichten begegnet.

Von Wolfgang Janeczka

Wasserburg – Komponist Jacques Offenbach setzte dem Universalgenie Ernst Theodor Amadeus Hoffmann mit der fantastischen Oper „Hoffmanns Erzählungen“ ein Denkmal. Mario Eick übertrug das Libretto, basierend auf den Erzählungen „Der Sandmann“, „Rat Krespel“ und „Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild“ in die Gegenwart mit all ihren Verwerfungen zwischen Liebe, Lust und Leidenschaft. Der Schauspieler und Theaterregisseur spielte Hoffmann auch gleich selbst. Eick zeigte einen innerlich zerrissenen Dichter, dessen Unterscheidungsvermögen zwischen Realität, Fiktion und Wahn mehr und mehr verschwand.

Hoffmann und die Frauen

Äußerlich verwahrlost und innerlich vom Alkohol gezeichnet blickt Hoffmann übellaunig auf sein Leben zurück. Er ist umgeben von Büchern, zerfledderten Manuskripten und Unmengen an Papier. Alle seine Liebesbeziehungen sind ausnahmslos gescheitert. Da gab es die attraktiv-erotische Olympia, die leider nur eine seelenlose Puppe war und die Sängerin Stella mit ihrer Launenhaftigkeit.

Auch die beiden anderen Frauen brachten ihm kein Glück. Giulietta, eine Kurtisane, schwor ihm ewige Liebe, hatte es aber nur auf sein Spiegelbild abgesehen. Und Antonia, Tochter des geheimnisvollen Rates Krespel und ebenfalls eine begnadete Sängerin, sang sich selbst zu Tode.

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Diese Figuren und noch dazu sein Alter Ego suchten Hoffmann schließlich heim. Während er in der Szenerie von einem Schwebebett herab agierte, blieben die seine Ex-Geliebten und Widersacher zunächst unter Unmengen von Papier versteckt und unsichtbar. Dann aber wurde der Dichter mit den „Untoten“ seiner Novellen und Geschichten direkt konfrontiert.

Schauspiel, Musik und Gesang

Wenngleich diverse Sprünge in der Textvorlage eine ungeteilte Aufmerksamkeit erforderten, sorgte die grandiose Umsetzung unter der Regie Uwe Bertram für große Begeisterung im Publikum. Denn Schauspiel, Musik und Gesang waren umso stimmiger, dazu Kostüme, mehr Kunstobjekt als Requisite, und ein noch kunstsinnigeres Bühnenbild. Alles zusammen steigerte die Spannung zu einem surrealen Sinnesrausch mit albtraumhafter Ästhetik wie in einem Film von David Lynch. Songs wie „Wicked Game“ von Chris Isaak, Lee Hazlewoods „Summer Wine“ oder Dmitri Schostakowitsch‘ berühmter „Walzer No 2“ verstärkten das Gefühl.

Lob für das gesamte Ensemble

Bleibt nur noch dem gesamten Ensemble ein großes Lob und Anerkennung auszusprechen: Susan Hecker, Nik Mayr, Hilmar Henjes, Annett Segerer, Regina Alma Semmler überzeugten mit Schauspiel und Gesang ebenso wie die musikalische Begleitung durch Pit Holzapfel, Georg Karger, Anno Kesting, Wolfgang Roth und Leonhard Schilde auf ganzer Linie. In Summe betrachtet zählt die Inszenierung sicher zu jenen Gesamtkunstwerken, die die Bezeichnung „Ganz großes Theater“ auch wirklich verdient haben.

Weitere Termine

Weitere Vorstellungen sind am 16., 17. und 18. Oktober, am 20., 21. und 22. November, am 11., 12. und 13. Dezember, am 22. und 23. Januar sowie am 12. und 13. März. Karten und Spielpläne gibt es unter www.theaterwasserburg.de. Karten im Vorverkauf sind in der Gäste-Information, im Innkaufhaus und bei Versandprofi Gartner in Wasserburg sowie beim Kulturpunkt Isen-Taufkirchen und im Kroiss Ticket-Zentrum Rosenheim erhältlich. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor der Vorstellung.

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