Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


"Historische Volkslieder in Bayern"

Schon 2003 veröffentlichte das Volksmusikarchiv die erste von bisher vier CDs mit "Historischen Volksliedern" zur bayerischen Geschichte. Darauf ist unter anderem auch das Lied von der Sprengung des Münchner Pulvermagazins 1835 zu hören.
+
Schon 2003 veröffentlichte das Volksmusikarchiv die erste von bisher vier CDs mit "Historischen Volksliedern" zur bayerischen Geschichte. Darauf ist unter anderem auch das Lied von der Sprengung des Münchner Pulvermagazins 1835 zu hören.

Seit 1997 führt das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern die Volksliedwochenenden mit Liedern zu Themen der Bayerischen Geschichte durch. In Kloster Seeon, dem Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern, kommen Praktiker und Theoretiker, Volksliedliebhaber, Frauen und Männer zusammen und erfahren Wissenswertes über Balladen und historische Ereignislieder, über Volksliedsammler und ihre Lebenssituation, über Zeiten und Entwicklungen.

Zum heurigen Volksliedwochenende vom 7. bis 9. Februar sind alle an der Geschichte und dem Volkslied Interessierten willkommen, Sänger, Musikanten, Volksliedfreunde, Sammler, Lehrer, Schüler, Studenten, Heimatforscher, Museumsmitarbeiter, Wissenschaftler - oder alle, die sich ganz einfach auch zum ersten Mal mit Volksliedern und den zugrundeliegenden Geschichten beschäftigen wollen.

Die Teilnehmer sollen die Vielfalt und die Eigenschaften der in Oberbayern überlieferten historischen Lieder mit ihrem zeitgenössischen, politisch-gesellschaftlichen Hintergrund kennenlernen und einen Einblick in Geschichte, Sprache, Bilder, Lebensgesetze, Wesen und Veränderung dieser Liedgattung erhalten. Im Mittelpunkt stehen viel praktisches Singen und Informationen zu den Liedern, die ein Stück bayerische Geschichte beschreiben - "Bayerische Geschichte im Lied".

Eine Vielzahl von Schlaglichtern will das Volksmusikarchiv heuer auf das 17. bis 20. Jahrhundert werfen: Es geht unter anderem um den Mitarbeiter der früheren Hof- und Nationalbibliothek in München, Bernhard Josef Docen (1782 bis 1828), und seine Sammlung, um Balladen und ihre Verankerung im Leben der Menschen (zum Beispiel im 18. Jahrhundert), um historische Ereignislieder und die grundgelegten Absichten der Liedermacher (zum Beispiel Prinz-Eugen-Lied um 1686, "Ein Jäger aus Kurpfalz" um 1790, Napoleons Russland-Feldzug und die Völkerschlacht bei Leipzig 1813, Stanislaus Schmidt und das Münchner Pulvermagazin 1835), unter anderem geht es auch um Adele Spitzeder und ihre "Dachauer Bank":

Die verführerischen Zinsangebote der von 1869 bis 1872 in München bestehenden "Dachauer Bank" der Adele Spitzeder (1832 bis 1895) haben auch viele Bauern aus dem nahen und weiteren Umland verlockt. Sie haben teilweise Geld auf ihr Hab und Gut aufgenommen, Schulden gemacht und dieses Geld für die versprochenen "20 Prozent" in München bei der ehemaligen Schauspielerin Adele Spitzeder-Vio angelegt. Natürlich konnte das nicht gutgehen - wie in heutiger Zeit sind anormal hohe Zinsversprechen ein Warnsignal für die Seriosität des Geschäftsmodells. Die "Dachauer Bank" zahlte die Zinsen mit dem frisch angelegten Geld neuer "Sparer" - bis der Schwindel aufflog, die Einlagen verloren und der Jammer groß war! Historische Lieder finden oft ihre Entsprechung in Vorgängen der Gegenwart. Auch heute haben die Geldanleger Probleme mit hohen Zinsversprechungen (zum Beispiel Prokon) und folgender Zahlungsunfähigkeit. In einer Handschrift von Johann Lahnsteiner (Salzburg und Braunau, 1875/76) finden sich neun Strophen eines Lieds über die "Spitzeder Bank": Bauern aus Oberösterreich haben ihr Geld bei der "Dachauer Bank" angelegt, gierig auf den ausgelobten hohen Zinssatz. Hier einige Textkostproben:

3. Das Fräulein is schon so fein, / sie zahlt in vorhinein / grad auf a viertl Jahr / und d‘ Leut wern noch nicht klar -, / etlich 20 Prozent, mein Bua. / Geld tragn s' ihr in Haufa zua, / gar bis auf Münga nein, / los möchten sie‘s sein.

4. Sie hat kaum 20 Gulden ghabt / und hat‘s gleich so weit bracht, / bei dera Schwindlbank / halten die Großen zam. / D‘ Leut wern belehrt so fein, / tragn ‘s Geld auf Münga rein, / d‘ Bank tuat an Haufa Zinsn zahln, / das tuat euch gfalln.

5. Die Zimmerl sand a so fein / herg‘richt halt aufn Schein / mit Tafeln ganz verhängt, / ‘s Kruzifix an der Wänd. / Sie trag a Kreuz von Gold, / dass d‘ Leut verblenden sollt, / häufig sans ganz blind worn / mitn Geld aufi tragn.

Geschichte wiederholt sich oftmals - Schwindel und Schein haben zu allen Zeiten Konjunktur - das ist auch in den historischen Liedern abzulesen!

Natürlich beleuchtet das Volksmusikarchiv auch beispielhaft die Lebensverhältnisse, Erlebnisse, Stimmungen, Lieder und Musik der Menschen um 1900 und zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 in Bayern (zum Beispiel Lena Christ, die Kindheit und Jugend von Kiem-Pauli in München, Franz X. Rambolds Einberufung und erste Liedersammlung, Hans Kammerer und seine Liederbücher, die Liederhandschrift von Lina Stangassinger 1911, Schellackaufnahmen der Kapelle Finsterer/Pfaffenhofen 1908 bis 1912, das Musikleben in Rosenheim 1904/14, ausgesuchte Soldatenliederbücher, Militärmusik in München um 1900 und so weiter).

Manche politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ereignisse der Mitte des 19. Jahrhunderts stehen auch heute noch/wieder im Blick des öffentlichen Interesses: die Begegnung von Xaver Krenkl mit König Ludwig I. in München oder Reisenbergers "Alpenrosen" in Grassau um 1840, oder die selige Gisela als moderne Namenspatronin um 1860. In einem weiteren Kurzreferat geht es um Pfarrer Bergmeier, der Kiem-Paulis Liedsammlung unterstützt hat und auch die "Deutsche Bauernmesse" von Annette Thoma in den 1930er-Jahren verbreitet hat.

Anmeldeschluss für Leserinnen und Leser des OVB und seiner Heimatzeitungen ist Montag, 3. Februar. (Anmeldungen an: Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern, Krankenhausweg 39, 83052 Bruckmühl, Telefon 08062/5164, Fax 08062/ 8694.)

Kommentare