Himmlische und verzaubernde Harfenklänge

Serafina Jaffespielte eine Fantasie von Spohr. Kirchner
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Serafina Jaffespielte eine Fantasie von Spohr. Kirchner

Aschau – Die Harfe, eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit, stand beim Abschlusskonzert der Meisterklasse Harfe in der Pfarrkirche St. Michael in Sachrang im Mittelpunkt.

Die in Sachrang lebende Margit-Anna Süß, Harfenistin und Gastprofessorin an der Musikhochschule Graz, hatte in ihrer einwöchigen Meisterklasse nicht nur weiterführenden klassischen Harfenunterricht angeboten, sondern auch als Dozenten Musikpädagogin Charlotte Sterner und Miroslava Stareychinska für Jazz-Studien und Improvisationstechniken eingeladen. Süß sagte, dass es ihr bei diesem Kurs um Ausdrucksmöglichkeiten gegangen sei. Talent und Begabung hätten die jungen Meisterschüler zwischen 13 und 24 Jahren allesamt. Einige von ihnen sind noch nicht einmal Studenten, sondern Schüler, die auf Bundesebene bei „Jugend musiziert“ schon mehrfach Lorbeeren eingeheimst haben. So hörten die Besucher himmlische und verzaubernde Harfenklänge.

Das Duo Sophia Hann (13 Jahre) und Sophie Chen (15 Jahre) gestaltete prächtig und virtuos die „Ankunft der Königin von Saba“ von Händel (1685 bis 1759) aus der Oper „Salomon“. Sophia Hann ließ das Publikum mit den Variationen des walisischen Folksongs „Llwyn Onn“ („The Ash grove“) von John Thomas (1826 bis 1913) durch das Eschenwäldchen spazieren. Sophie Shen beeindruckte mit der Passa caille in b-Moll von Händel. Jungstudentin Lilli Schönfeld ließ – trotz anfänglich sichtlichen Lampenfieber – in barocker Fülle die Sonate in c-Moll von Giovanni Battista Pescetti (1740 bis 1766) erklingen.

Die angehende Abiturientin Helena Andreula bot das „Impromptu Caprice“ op. 9 von Gabriel Pierne (1863 bis 1937) mit einem glockenhaften Auftakt, dem energiegeladene, voluminöse Melodien folgten, dar.

Jungstudent Felix Hahn (einziger männlicher Meisterschüler) gestaltete meisterlich die Konzertetüde „La Source“ von Alphonse Has selmans (1854 bis 1912) und „Natalania“ von Deborah Henson-Conant (geb. 1953) zum Besten. Bestimmt, kraftvoll, dennoch wohldosiert setzte er Akzente, da perlten die sanften Läufe, da war Raum zum Träumen und zum Schwelgen.

Die angehende Studentin Magdalena Fürntratt, die auch schon im vergangenen Jahr den Meisterkurs besucht hatte, überzeugte mit der „Nocturne“ und dem „Fire Dance“ aus der „Petite Suite“ von Mary D. Watkins (geb. 1940). Die nächtliche Stimmung gelang ihr geheimnisvoll, beim Feuertanz konnte man die Flammen wild und ungezügelt auflodern sehen – berückend und anmutig. Jungstudentin Chiara Sax – Österreicherin wie auch Magdalena Fürntratt – spielte dann „Absidioles“ von Bernard Andrès (geboren 1941), phrasiert und ziseliert, jazzig angehaucht samt einem Schuss Romantik. Auch Sophia Litzinger, die schon im vorigen Jahr den Meisterkurs besuchte, zeigte Ausdrucksstärke bei den Variationen über „Je suis encore dans mon printemps“ von Ludwig Spohr (1784 bis 1859) – da klang Volksmusik durch, aber auch barocke Lust. Serafina Jaffe, schon 2015 in Sachrang dabei, spielte Spohrs „Fantasie c-Moll“ op. 35 – fantasievoll und plastisch Farben und Stimmungen wechselnd. Felix Godefroids (1818 bis 1897) „Etude de Concert“ in es-Moll op. 193 gelang ihr ebenso auf beeindruckende Weise – leidenschaftlich die Melodien und die Techniken, die das Stück abverlangte, auskostend.

Zum Abschluss gab es Antonio Pascullis (1842 bis 1924) „Omaggio a Bellini“ für cor anglais (Hansjörg Schellenberger mit dem Englischhorn) und Harfe (Sophia Litzinger). Schon allein durch diese Originalfassung klanglich reizvoll, wird die Fantasie noch durch die Tempi übertroffen: fröhliches allegro, inniges andante und rasantes Finale – arienhaft, operngleich – da brauchte es kein Orchester, Harfe war da genug.

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