Herbert Schuch begeistert im KuKo: Ein Meister des Pianissimo

Herbert Schuch begeisterte das Publikum im Rosenheimer KuKo. re

Eine „schweigende Mehrheit“ kann sehr beredt sein: Das Publikum im ausverkauften Kuko bekundete dem Pianisten Herbert Schuch und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn seine begeisterte Zustimmung nicht nur durch Applaus, fast noch nachhaltiger durch seine aufmerksam konzentrierte Stille.

Rosenheim –

Nur minimales Gehüstle und eine spürbare innere Ergriffenheit prägten die Atmosphäre des jüngsten Meisterkonzerts. Freilich war auch der Komponist ein Zugpferd: „Zuviel Beethoven gibt’s nicht“, sagte Herbert Schuch im Interview mit der Heimatzeitung; doch es war sofort klar, dass dieser Pianist als Prophet im eigenen Lande sehr wohl akzeptiert wird. Kurz, der gebürtige Rosenheimer errang einen veritablen Heimsieg, und man muss kein eifernder Lokalpatriot sein, um sich der allgemeinen Hochschätzung anzuschließen.

Das Orchester alles andere als steif

Die Herren des Orchesters traten im Frack auf, musizierten aber alles andere als steif. Mit seiner gespannten Präsenz schlug das Orchester von Anfang an die Zuhörer in seinen Bann. Chefdirigent Case Scaglione war während der Klavierkonzerte zwar vom Platz des Rezensenten wegen des aufgeklappten Flügels kaum zu sehen; das klangliche Ergebnis ließ jedenfalls den Rückschluss zu, er habe mit seinen Musikern ganze Arbeit geleistet.

Zwischen den beiden frühen Klavierkonzerten Ludwig van Beethovens ließ eine nicht alltägliche Besonderheit aufhorchen: Gustav Mahler hatte Beethovens Streichquartett f-Moll op.95 für Streichorchester bearbeitet. Mit diesem selten zu hörenden Werk gaben die Heilbronner eine ganz persönliche Visitenkarte ab.

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Angeblich hat der Komponist dieses Quartett aus Frust über einen abgewiesenen Heiratsantrag komponiert. Das Opus geriet jedenfalls nicht zu einem larmoyanten Seelendrama. Das Gewebe ist dicht, die Motive sind eng miteinander verzahnt, mitunter herrscht eine schroffe Ungeduld. Jähe Stimmungswechsel zwingen die Interpreten zu blitzschneller Reaktion. Beeindruckend, dass dem Dirigenten kleine, weiche, aber präzise Bewegungen genügten, um das Orchester zu einem schlanken, durchsichtigen Klang zu animieren. Die gezackten Rhythmen peitschten die Emotionen hoch.

Wollte man Herbert Schuch als „intellektuellen“ Pianisten einstufen, griffe man sicher zu kurz. Mit äußerster Sensibilität tastet er das Profil eines Werks ab, um dann jede Nuance zu beleben, um den Sinngehalt in Erlebnis umzusetzen. Als Meister eines pointierten Pianissimo nimmt er winzige Details in den Blick und macht sie so dem Hörer bewusst.

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Aus dem Programmheft erfahren wir zwar leider nicht die Satzbezeichnungen der einzelnen Werke, aber die Tatsache, das Concerto Nr.1 sei eigentlich das Zweite – und umgekehrt. So hatte man also an den Beginn das offiziell zweite Konzert op. 19 gestellt, ein delikates Werk, dessen erster Satz immer wieder von den Holzbläsern dominiert in eine pastellfarbene Aura getaucht wird.

Nach der Pause folgte das „robustere“ Opus 15, das sich mit Pauken und Trompeten und vielen prägnanten Motiven zum idealen Finale für den ganzen Abend steigerte. Herbert Schuch fasste die Kadenzen, also die virtuosen Einschübe für den Solisten am Schluss eines Satzes, nicht als pure Bravourstücke auf, sondern als einen sprudelnden Ideenpool. Die quirlenden Motive fabulierten gleichsam eine Geschichte in nuce, und fast war man enttäuscht, als es dann doch zu Ende ging.

Kadenz im ersten Satz ein Kleinod

Ein Kleinod war die Kadenz im ersten Satz des zweiten Konzerts: Das punktierte Motiv lässt eine Fuge vermuten, aber bald verflüssigt sich das Gewebe, fließende Achtel überlagern den ursprünglichen Rhythmus, Anklänge an frühere Motive stiften scheinbare Verwirrung. Herbert Schuch glättet hier nicht, sondern erzeugt durch Differenzierung eine Tiefenschärfe, die die Logik dieser Kadenz unmittelbar nachvollziehbar macht. Großartig!

Mit einer „Bagatelle“ für Klavier als Zugabe, einem späten Beethoven, dankte Schuch für den Beifall und die heftigen Bravo-Rufe. Das kurze Stück rundete das Programm ab, ohne den Gesamteindruck zu beeinträchtigen. Auch das Kammerorchester und sein Dirigent dürften über die Resonanz der Konzertbesucher glücklich gewesen sein.

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