Herausfordernde Mannsbilder: Anke Doberauers Porträts beim Rosenheimer Kunstverein

Die Malerin Anke Doberauer bricht in ihren Bilder mit männlichen Klischees und stellt zugleich die kunsthistorische Tradition, wie männlicher Maler Frauen malen, auf den Kopf. Friedrich

Männer sind das große Thema der Künstlerin Anke Doberauer: Begehrenswert, aber auch verletztlich, teil androgyn malt sie das vermeintlich starke Geschlecht seit zwei Jahrzehnten in lebensgroßen Porträts. Die Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in München gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Malerinnen. Nun sind ihre Arbeiten beim Rosenheimer Kunstverein zu sehen.

Rosenheim– Den Hunger nach kulturellem Leben und echten Begegnungen konnte man zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung in der Rosenheimer Kunstmühle nachvollziehen. Viele Gäste waren zur Vernissage des Kunstvereins mit Professorin Anke Doberauer gekommen, die seit 2003 an der Akademie der Bildenden Künste in München lehrt. Bekannt wurde die Malerin mit ihren Porträts junger Männer. Die großformatigen Gemälde sind im Maßstab 1:1 entstanden.

Darstellung in Lebensgröße

Seit Mitte der 1980er Jahre setzt sich Anke Doberauer mit dem Motiv stehender Männer auseinander und zeigt den nackten oder teilentblößten männlichen Körper aus weiblicher Perspektive, in manchen Bildern mit exponiertem Geschlecht. Manche Motive wie „Djamel“ entsprechen dem „klassischen“ Männerbild mit durchtrainiertem, schlanken Körper und erotischer Ausstrahlung. Andere wiederum konterkarieren diesen Männertypus: Im Porträt „Années 90“ blickt ein junger, kurzhaariger Mann mit Dreitagesbart auf den Betrachter. Der Porträtierte trägt ein sehr feines, weißes Frauenkleid, aus dem Schultern und männlich behaarte Brust herausschauen – Assoziationen an prominente androgyne Gesangs-Ikonen aus Österreich liegen nahe, das Gemälde wirkt wie ein zeitlicher Vorläufer. Durch die Darstellung in Lebensgröße weisen die Porträts eine hohe Präsenz im Raum auf. Sie scheinen lebendige, echte Bestandteile ihrer eigenen Vernissage zu sein, als würden sie aus der Wand heraustreten und sich in jedem Moment unter die Gäste mischen.

„Brechende Elemente“

Wie Anke Doberauer in einem Dialog mit Henk Visch im Jahr 1996 erläuterte, enthalten ihre Personenporträts brechende Elemente: „(...) es gibt im Bild immer eine Störung, die das Pathos bricht: eine unpassende Farbe, merkwürdige Beziehungen zwischen Details, die den Blick auf ungewöhnliche Bahnen lenken oder ein Schatten mit Eigenleben.“ Daher sind die abgebildeten Menschen nicht „gestellt perfekt“, sondern sie sind in einem kleinen intimen Moment porträtiert, sodass sie ein wenig verletzlich wirken. Und mit durchaus interessanten Gesichtszügen, ihre Mimik fordert – so nicht durch einen Hut verdeckt – heraus und macht neugierig auf die Person hinter dem Porträt. Was mag seine Geschichte sein?

In einem gleichermaßen unterhaltsamen wie interessanten Gespräch mit dem Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich erhellte Anke Doberauer manchen Hintergrund und ging auch auf Fragen der Gäste ein. Interessant und humorvoll waren ihre Anmerkungen zu Publikumsreaktionen auf ihre Männerbilder, ebenso ihre Antworten auf Fragen zu historischen Vorbildern wie Manet oder Goya.

Bis 9. August

Zu sehen ist die Ausstellung bis 9. August in der Klepperstraße 19 in Rosenheim, Donnerstag bis Samstag von 14 bis 17.30 Uhr und Sonntag von 11 bis 17.30 Uhr. Am Sonntag, 2. August, 11 Uhr führt Kunstvereinsvorsitzende Elisabeth Mehrl durch die Ausstellung.

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