Heißer Bebop und lyrische Balladen

Mit Jazzstandardsaus den 1950er- und 1960er-Jahren begeisterten Pianist Matthias Bublath, Bassist Tovcho Tsolmonbayar, Weltklasse-Trompeter John Marshall und Schlagzeuger Michael Keul im „Le Pirate“. Lentner

Rosenheim – Im Rosenheimer Jazzclub „Le Pirate“ gab jüngst der aus New York stammende Trompeter John Marshall, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Größen wie Benny Goodman oder Dizzy Gillespie, mit seinem Quartett ein grandioses Konzert, nachdem er die letzten Jahre schon mehrmals dort gespielt und 2007 sogar eine Live-CD aufgenommen hatte.

Am Schlagzeug saß Hausdrummer Michael Keul, der wie immer zuverlässig das rhythmische Fundament legte.

Der 21 Jahre alte Tovcho Tsolmonbayar überraschte mit klar artikulierten Kontrabass-Linien, während der bekannte Münchner Matthias Bublath virtuos alle Register des modernen Jazzpianos von perlenden Single-Note-Läufen bis zu bluesig dampfenden Blockakkorden mit zum Teil an Erroll Garner erinnernden Verschleppungen zog.

John Marshall vereinte in seinem Trompeten- und Flügelhornspiel die Stilistik bedeutender Jazztrompeter der 1950er- und 1960er-Jahre wie Kenny Dorham oder Clifford Brown und gestaltete seine Improvisationen mit authentischer Phrasierung, geschmackvoller Tongebung und melodischem Ideenreichtum.

Auch die Stücke waren entsprechend vielseitig: So erklangen heiße Bebop-Nummern wie das Eingangsstück „Salute To The Bandbox“ von Gigi Gryce oder „Celia“ von Bud Powell, alles rasante Themen mit quirliger Melodik und der verminderten Quint. Besonders Kompositionen von Thelonious Monk bestachen dabei auch durch ihre eigenwillige Harmonik.

Modernere Titel waren der stimmungsvoll interpretierte Bossa „Amsterdam after dark“ von George Coleman oder der funkige Blues „The Sidewinder“ aus der Feder des genialen Trompeters Lee Morgan. In mehreren Stücken gab sich Marshall auch als Sänger und erinnerte dabei manchmal an Chet Baker, dessen lyrischer Trompetenstil ebenfalls zu seinen Vorbildern gehört. Die große Virtuosität aller vier Musiker kam besonders bei den superschnellen, im sogenannten Up-Tempo gespielten Stücken zum Tragen: Auf der harmonischen Basis von „After you’ve gone“ swingten die Solisten in John Marshalls Komposition „Fahrvergnügen“ ohne Tempolimit durch die Akkorde und jagten sich alle acht Takte abwechselnd mit dem Schlagzeug.

Auch die offizielle Schlussnummer „Sweet Clifford“, Clifford Browns geniale Fassung von „Sweet Georgia Brown“, explodierte in diese Richtung, sodass die erklatschte Zugabe „Let’s get lost“ à la Chet Baker einen entspannt swingenden Kontrast dazu bildete.

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