Gute Geister unvergessener Werke kraftvoll zum Leben erweckt

Seeon – Es war eine Kraft spendende Ruhe, die den sakralen Raum der Abtskapelle St. Nikolaus des Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon kurz vor der sonntäglichen Soiree mit Flöte und Cembalo erfüllte.

Die Gäste erwarteten in dieser Soiree selten gehörte Hörgenüsse und virtuose Solistenkunst an Flöte – von Andreas Schmidt, Soloflötist der Bad Reichenhaller Philharmonie, und Kirchenmusikerin Andrea Wittmann am Cembalo.

Die Sonate in C-Dur BWV 1033 von Johann Sebastian Bach vermittelt noch dem letzten Pessimisten eine heilsame Zuversicht – eine wohltuende Konzerteinleitung, der die Sonate in F-Dur op. 1, Nr. 11 von Georg Friedrich Händel folgte.

Die F-Dur-Sonate verbindet eine Händel‘sche Opernarie mit tänzerischen Allegri und einer schönen Siciliana. Neben der Klangschönheit war auch das Beobachten des Flötisten ein beeindruckender Anblick: Sein Wiegen in den selbst produzierten Tönen, die in seinen Händen schwebende Flöte, seine über das filigrane Blasinstrument galoppierenden Finger und letztlich sein Blick, in dem er die variationsreichen Themen der Musik widerzuspiegeln vermochte.

„Hören Sie, wie diese Kapelle das zum Klingen bringt, was die Komposition zu sagen hat“, leitete Schmidt die Sonata in G-Dur QV 1:105 von Johann Joachim Quantz ein.

Quantz war einer der bedeutendsten Flötenvirtuosen des achtzehnten Jahrhunderts. Wenn derartige Kompositionen in virtuoser Vollendung in der Abtskapelle erklingen, dann hat das nichts Gespenstisches, sondern viel mehr etwas Heiliges.

Auch für die Sonate in F-Dur KV 13 gab es reichlich Applaus – kaum zu glauben, dass Mozart diese Komposition im zarten Alter von acht Jahren schuf. Reduziert auf nur zwei Instrumente und dennoch genial: Der „Reigen seliger Geister“ aus „Orpheus und Euridike“ von Christoph Willibald Gluck in der Bearbeitung für Flöte und Cembalo, in den sich klangvoll – wie selige Geister eben – auch die Kirchenglocken der Klosterkirche mischten.

Dass diese Musik zeitlos bleibt, ist dem virtuosen Engagement heutiger Musiker zu verdanken. Mit der Hamburger Sonate in G-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach war dem Konzertprogramm ein letzter Glanzpunkt gesetzt.

Kraftvoll, erfrischend unverkrampft und herzlich schafften es zwei Musiker, die guten Geister unvergessener Werke zur klangvollen Entfaltung zu bringen. Wunderbar gestaltete Melodiebögen in farbiger Abtönung bei lupenreiner Spieltechnik an der Flöte – und das in ausdruckstarker Cembalobegleitung, ließ die Zuhörer in jubelnden Applaus ausbrechen.

Kirsten Benekam

Kommentare