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Goethe-Gesellschaft Rosenheim

Goethes Italienreise: Das Glück des Hierseins als Therapie

Dass Goethe im September 1786 inkognito und unter falschem Namen vor den beruflichen Zwängen in Weimar nach Italien ins Land seiner Sehnsucht geflohen ist, ist kein Geheimnis. Für den Dichter war die Reise aber auch eine Selbstfindung und befreiende Glückserfahrung.

Rosenheim – Michael Jaeger, Privatdozent für deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin, hielt auf Einladung der Goethe Gesellschaft Rosenheim im Künstlerhof am Ludwigsplatz einen Vortrag mit dem Titel „Reisen als Therapie – Goethes italienische Wiedergeburt.“

Goethe, so Jaeger, habe mit der sorgfältig geplanten Italienreise eine befreiende, quasi religiöse Erfahrung des „Zu-sich-selbst-Kommens“ gemacht. An seine Freundin Charlotte von Stein schreibt er, er habe in Italien heimgefunden. Im Tagebuch rechtfertigt er seine Italienreise: „Hätt ich nicht den Entschluß gefaßt den ich jetzt ausführe; so wär ich rein zu Grunde gegangen und zu allem unfähig geworden.“

„Goethe ist es in Italien um die sinnlichen Eindrücke gegangen“, erklärte Jaeger. Als Antidepressiva hätten sie für ihn eine segensreiche Wirkung gehabt. Das Auge, das sich für Goethe nach den Gegenständen bildet, müsse für die Gegenstände wieder empfänglich werden. Eine Fröhlichkeit gegen melancholische Heimsuchungen zu entwickeln, ginge nur in Italien.

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Obgleich der Dichter von Charlotte von Stein träumt, versucht er, sich von ihr mehr und mehr zu befreien. Goethe lässt die Freundin am Leben in Italien teilhaben, führt für sie ein Tagebuch, das in Weimar aber zu spät ankommt. Auf seine beschwörenden Briefe antwortet die gekränkte Frau zunächst nicht. Die innere Trennung von Charlotte ist für Goethe notwendig, da beide keine sinnliche Liebe verbindet. Vielmehr habe diese Liebe, die ihn immer noch an Charlotte fesselt, sein Leben zerstört. Goethe, so Jaeger, müsse nochmal alles verlieren und von vorne anfangen.

„Goethes Tagebuch ist ein Zeugnis eines immer größeren Widerspruchs.“, erklärte Jaeger. Es sei ein Wunschdenken, frei von allen Bindungen zu sein, und sich gleichzeitig nach Charlottes Liebe und Verständnis zu sehnen. Unter südlichem Himmel habe der Dichter eine unumkehrbare Wanderung auf dem Grenzpfad zwischen Leben und Tod gemacht und an sich eine Umwandlung geschehen lassen.

„In Rom ist Goethe die Identitätsfindung gelungen“ so Jaeger. Dennoch sei ein Umschlag des fragilen Lebensglücks möglich, habe doch Goethe selber festgestellt: „In jeder Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn.“. Um aber im Wahnsinn des Lebens nicht zu versinken, komme es darauf an, das „Glück des Hierseins“ zu erkennen.

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