Glosse zum 100. Todestag von Ludwig Ganghofer : Da doppelte Wiggal!

Die Totenmaske des Schriftstellers Ludwig Ganghofer. Foto: DPA
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Die Totenmaske des Schriftstellers Ludwig Ganghofer. Foto: DPA

Gebirgsromantik, Heimatsehnsucht, Herz und Schmerz: Ludwig Ganghofer war mit seinen Heimatromanen einer der auflagenstärksten Schriftsteller seiner Zeit. Zum 100. Todestag eine Glosse über den Heimatschriftsteller.

„Herr, wen Du lieb hast, den lässest Du fallen in dieses Land“ dem Berchtsgadner Land, soid a oida Ausspruch von Ludwig Ganghofer gwen sei, der vor 100 Jahr de Feda wegglegd hod. Eigram is a am Tegerensee und danem liegd sei oida Freund Ludwig Thoma, der eahma a de Grabred ghoidn hod.

„Wennst an Ganghofa liest, dann vagiß an großen Topf ned, damit da Honig und da Kitsch Platz ham, de unda seine Bücha obadropfan“, hod mei Opa gsagd.

Da Ludwig Ganghofa war an Kaiser Wilhelm sei Lieblingsdichda und da Thoma hod se am Kaiser Wilhelm griem, wia a Feil am Eisenstücke. Meng ham se de Zwoa aba ganz bsondas. An Gnaghofa sei Papa und an Thoma sei Papa warn Försda und ham se kennd und a meng. Da Thoma woid Försda wern und da Ganghofa woid Maschinenbau studiern. Alle zwoa san Dichda worn. Da Ganghofa war oana da erfolgreichsden deutschn Autorn. Seine Homadromane ham sie millionfach vakaufd und gehörn zu den meistvafilmden Biacha in Deutschland. Da Ludwig Thoma war a ned schlecht, aba vakaufmassig hod er mid dem andan Wiggal ned midhoidn kenna. Da Peda Mettenleiter hod vom Ganghofer ned vui ghoidn: „Ganghofers trivale Heimatromane sind ein Ersatz für eine unbefriedigende Alltagswelt des Lesers, der in die Verkommenheit des schönen Scheins flieht. Also Verschleierung, Irreführung, literarischer Kitsch.“ Mei Uroma hod olle Bücha vom Ganghofa ghabd und wenns den Mettenleiter dawischt häd, dann war der koa Voikskundler mehr. De hod am Friedhofsbanke imma an Buach vom Ganghofa und Klosterfrau Melissengeist dabei ghabd und olle zwoa hods für an scheena Nachmittag unda da Friedhofslindn brauchd, und ihre Freudinnen war genau a so.

Beißend war da Spott. mid dem Karl Kraus den Lieblingsdichda des Kaisers und sei Nähe zum wilhelminischen Deutschland übazog. Ganghofers nationanlistisches Trommeln im Ersten Weltkrieg und seien Progaganda für einen bedingungslosen Siegfrieden machten es seinen Kritikern leicht. Da Thoma war da auf da Seitn vom Ganghofa.

Ganghofer hod aba a sei liberale Seitn ghabd. Da ist er in literarische Zirkeln geschätzt, ja bewundert worn. Er hod a junge Autorn gfördat und verfolgte Kollegen verteidigt. A an Ludwig Thoma, wia der vor Gricht wega seim Spottgedicht „An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine“ da hams na sechs Wocha eikastelt und da andre Wiggal hod na verteidigt.

De Martinsklause, Klosterjäger, Schloß Hubertus, der Jäger von Fall, Edelweißkönig, der Mann in Salz und der Ochsenkrieg spuin olle im Berchtesgadner Land und um den Watzmann. Hoamad, wias scheena ned gehd. Ganghofa beschört a Woid, wo ma sagd, so kannsd sei, so wars richtig, so stimmts. A beim Ganghofa gibds koa Woid ohne Eckn und Kantn. De Leid foina ned grundlos in de Schlucht. Er zoagd aba a wia ma wieda raus kimd aus da Schlucht, aus da Depression. Heid derf ma ganz staad sei, wegen Ganfhofa seine Biacha. Beim Bergdokda ganghoferts, dass da Sau graust und für de oan is a Kitsch und für de andan oafach scheee.

In Tegernsee liengs nebanand, de zwoa Wiggerl, und san ganz brav und friedlich“, sagt da Friedhofswärda..

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