Gitarrenduo Alta Baviera im Kloster Seeon: Der Zauber kommt aus der Stille

Viel Beifall im Festsaal des Kloster Seeon gab es für Thomas Beer (links) und Markus Lohmeier.
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Viel Beifall im Festsaal des Kloster Seeon gab es für Thomas Beer (links) und Markus Lohmeier.

Zwei Mal sechs Saiten ließ das Duo Alta Baviera bei dem Gitarrenkonzert zum Namenstag des Heiligen Benedikt im Festsaal des Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon klingen. Geklungen hat es allerdings nach weit mehr.

Von Kirsten Benekam

Seeon – Enorme Virtuosität, ein grandios aufeinander eingespieltes Duo und die gute Akustik des Festsaals machten es möglich.

Die wirklich nachhaltig beeindruckenden Konzerterlebnisse müssen nicht zwangsläufig jene sein, bei denen die Bühne voller optimal „verstärkter und bestens inszenierter“ Musiker sitzt. Der Zauber guter Musik rührt woanders her: Er kommt aus der Stille und füllt diese mit Wohlklang.

Musikalische Perlen lyrischer Musik aus Renaissance und Barock für zwei Gitarren – das waren bearbeitete Werke von John Dowland, Jean-Philippe Rameau, Domenico Scarlatti, Georg Friedrich Händel, Fernando Sor, François Couperin und Johann Sebastian Bach. Dass der ursprünglich geplante Veranstaltungsort, die kleine St.-Walburg-Kirche, derzeit wegen der aktuellen Abstandsregeln nicht genutzt werden kann, schmälerte den Genuss wenig.

Große Musizierfreude

Die beiden sympathischen Gitarrenvirtuosen Markus Lohmeier aus Rosenheim und Thomas Beer aus Schnaitsee hatten, wie sie eingangs den Konzertbesuchern verrieten seit einem halben Jahr nicht mehr vor Publikum gespielt. So war den beiden jungen Musikern ihre große Musizierfreude anzumerken. Wahrscheinlich klangen deshalb auch die ersten gespielten Werke von Jean-Philippe Rameau, „Gigue en Rondeau“ und „La Joyeuse“ wie ein heiteres Begrüßungslied.

Die meisten Werke im Programm waren von den Komponisten ursprünglich für Cembalo oder Laute gesetzt. Die Bearbeitungen für zwei Gitarren setzen ein spieltechnisch hohes Niveau voraus, dem das Duo im besten Wortsinn spielend gerecht wurde.

Komplizierte Grifftechniken

Das im durchlaufenden Sechzehntel-Takt gesetzte „Le Tic-Toc-choc“ von François Couperin verlangte komplizierte Grifftechniken und einen wahren „Saitengalopp“ der Finger. Mit beeindruckender orchestraler (Gitarren-) Klangfülle scheinen die beiden Gitarren dem Cembalo, für das die Werke einst „gemacht“ wurden, den Rang ablaufen zu wollen.

Bei Bachs Cantate„Jesu, meine Freude“ ging den überwältigten Zuhörern das Herz auf. Brillant interpretiert kam auch „Souvenir de Russie“ zu Gehör, ein Werk von Fernando Sor, einer der großen Komponisten klassischer Gitarrenmusik. Thematisch „erzählt“ die Komposition eine märchenhafte Reise durch Russland und zeichnet die Seele Russlands nach.

Ready for more

Als Nachschlag kredenzten die beiden noch Bearbeitungen zweier Werke von Johann Sebastian Bach. Eine Crossover-Neufassung mit Gesang und starkem Text von Thomas Beer, „Ready for the Storm“ tröstete die immer noch Musik hungrigen Gäste über das viel zu schnelle Ende hinweg – „Ready for more“ hätte noch besser gepasst.

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