Gesellschaftsrelevantes in der städtischen Galerie

Der Rosenheimer Künstler Gerhard Prokop (Mitte) erhielt den mit 2000 Euro dotierten Kunstpreis. Im Bild mit Oberbürgermeister Andreas März und Kunstvereinsvorsitzender Elisabeth Mehrl.
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Der Rosenheimer Künstler Gerhard Prokop (Mitte) erhielt den mit 2000 Euro dotierten Kunstpreis. Im Bild mit Oberbürgermeister Andreas März und Kunstvereinsvorsitzender Elisabeth Mehrl.

Rosenheim – Mit der Eröffnung seiner Ausstellung „Kunst aktuell“ läutete der Kunstverein Rosenheim den Neustart des Rosenheimer Kulturlebens nach dem Lockdown ein – allerdings unter ungewohnten Bedingungen.

50 Gäste verloren sich auf den mit großem Abstand aufgestellten Stühlen im Saal 1. Und weil sich lediglich 50 Personen zur selben Zeit in der Galerie aufhalten dürfen, fand die Eröffnung in drei Schichten statt: Nach dem offiziellen Part mit den Einführungsreden hatten dann um 19 und um 20 Uhr jeweils 50 weitere Besucher die Möglichkeit, die Ausstellung in Augenschein zu nehmen. Der Andrang war enorm: „Wir mussten leider etliche Inte ressenten abweisen“, bedauerte Kunstvereinsvorsitzende Elisabeth Mehrl.

In seinem Grußwort wies Oberbürgermeister Andreas März auf die überregionale Bedeutung der Ausstellung hin: „Es gab Bewerbungen aus ganz Deutschland.“ Er lobte das Engagement des Kunstvereins, das wesentlich zur Bereicherung des Rosenheimer Kulturlebens beitrage. Schließlich sei Kunst, so der OB, weniger systemrelevant als vielmehr gesellschaftsrelevant.

Die Vorsitzende des Kunstvereins, Elisabeth Mehrl, hielt ein eindringliches Plädoyer für die gesellschaftliche Relevanz von Kunst und Kultur: „Das Leben in einer Stadt wird zu einem großen Teil von einem lebendigen kulturellen Austausch geprägt, der wesentlich zu einer demokratischen, selbstbewussten und lebensfrohen Stadtgesellschaft beiträgt.“ Die Zuschüsse für Kunst und Kultur sollten deshalb nicht als Subvention, sondern als wertschöpfende und nachhaltige Investition in das Gemeinwesen gesehen werden. Ihre Hoffnung. „Vielleicht hat das digitale Dauerfeuer sogar einen gewissen Überdruss entfacht und eine Sehnsucht nach dem echten Erlebnis, der Begegnung mit dem auratischen Kunstwerk in der analogen Sphäre entstehen lassen.“

Im Rahmen der Eröffnung wurde auch der Kunstpreis des Kunstvereins verliehen. Der diesjährige Preisträger ist der Rosenheimer Künstler Gerhard Prokop mit seinem Bild „Westtangente“, Öl auf Leinwand, entstanden 2020. Prokops fotorealistische Darstellung der Straßenbautrasse von Rosenheims Westtangente bei Wernhardsberg ist nicht nur ein kritisches Zeitdokument, sondern auch ein künstlerisch authentisches Werk, das die Jury durch seine Ausdrucksstärke, seine Stringenz und seine gekonnte Maltechnik überzeugte. „Prokops mit großer Könnerschaft gemalte Bilder von ungeschönten Wahrheiten vermitteln eine überzeugende künstlerische Haltung – und das bereits über Jahrzehnte hinweg“, würdigte Mehrl das Schaffen Prokops: „Der Künstler zeigt uns Orte, die wir glauben zu kennen – aber erst, wenn wir sie auf seinen Bildern sehen, lernen wir sie wirklich kennen.“

Zu sehen bis Sonntag, 26. Juli, Dienstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Klaus Kuhn

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