Gemeinschaftsausstellung in der Galerie im Alten Rathaus in Prien: Leuchtendes Dreigestirn

Unverwechselbar und eigenwilligbefasst sich Konrad Huber mit seiner Heimatgemeinde, hier „Das Malerhäusl“. galerie

Die Werke des künstlerischen Dreigestirns der Künstlerlandschaft Chiemsee – Marianne Lüdicke, Konrad Huber und Lenz Hamberger – sind wieder in der Galerie im Alten Rathaus zu besichtigen, wobei eine Reihe neuer Aquarelle, Holzschnitte und Monotypien bisherige Exponate ersetzen.

Prien – Die drei sehr unterschiedlichen Künstler haben zwar nie konkret zusammengearbeitet, sie sind aber seit den 1950iger Jahre durch ihr Wirken in Prien verbunden.

Marianne Lüdicke, die „Grande Dame“ der hiesigen Kunstszene, ist bereits bei der ersten freien deutschen Kunstausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg in Prien mit einigen Terrakotta-Figuren vertreten. Zeitlebens ist sie als Bildhauerin unumstritten gewesen. Nach schwerer Zeit des Studiums ab 1938 geht sie konsequent ihren Weg, vereinfacht mehr und mehr die Form, macht dadurch den Inhalt ihrer Figuren wesentlich. Schönheit, Harmonie, Freude, Frieden sind ihr im Leben und in der Gestaltung ihrer Plastiken wichtig.

Zerstören liegt ihr fern

Alles Zerstören liegt ihr fern, sie verschlüsselt nichts und macht nichts kompliziert. Ihre Menschendarstellungen erreichen einen hohen ästhetischen Ausdruck, der sie national und auch international bekannt und beliebt macht. Ihre positive Lebenseinstellung, ihr Optimismus, ihr Vertrauen zu etwas Unzerstörbarem wirkt in ihren Werken und in die Zukunft weiter.

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Eine spannende Entdeckungsreise

Konrad Huber kehrt nach Militärdienst und Gefangenschaft in sein zerstörtes Elternhaus in Osternach zurück und kann erst von 1949 bis 1956 an der Akademie der Bildenden Künste in München mit Schwerpunkt „Angewandte Malerei“ studieren. Damit ist sein Wirken als Künstler vorgegeben. Zeit seines Lebens ist er bemüht, besonders seiner Heimatgemeinde eine spezielle, unverwechselbare Note zu geben, ihr seinen gewiss eigenwilligen künstlerischen Stempel mit dem für ihn typischen Sgraffito-Stil farbig aufzudrücken. Daneben entsteht ein umfangreiches Werk mit Aquarellen, Druckgrafik, Ölbildern, Zeichnungen und Hinterglasbildern.

Seine Themen sind Landschaften und Städte, arabische und biblische Frauengestalten und Stillleben. Neben Nordafrika und der Sahara gehört seine ganze Liebe Griechenland und den Ländern am Mittelmeer, die er immer wieder bereist und malt. Lenz Hamberger ist für Prien in zweierlei Hinsicht bedeutsam, als Holzschneider, also als Künstler und als Initiator des Kunstbetriebs. Der Holzschnitt ist seine signifikante Form, sich auszudrücken. Da ist nichts glatt, bunt, schreiend, sondern seine Drucke wirken archaisch, im heutigen Medienzeitalter fast anachronistisch. Daneben experimentiert er mit Kombinationen aus Schrift und Holzschnitten, mit Monotypien und Materialdrucken.

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Gleichzeitig ist er, wie ein Zeitungskritiker es ausdrückt, der „Motor des Priener Kunstlebens“. Er gründet 1966 zusammen mit Konrad Huber und Markus von Gosen die „Künstlergruppe Prien“ und 1969 die „Gemeinschaft bildender Künstler Chiemsee“.

Ab 1975 ist er der maßgebende Mann in der „Kalendergemeinschaft Prien“, in der 18 Künstler in 20 Jahren jeweils einen Künstlerkalender zu einem bestimmten Thema schaffen. Dabei schließt sich wieder der Kreis zu Marianne Lüdicke, die ganz maßgeblich diese Kalendergemeinschaft förderte, in ihr mitwirkte und sie mit ihren Ideen belebte.

Die Ausstellung ist in der Galerie im Alten Rathaus in Prien, Alte Rathausstraße 22 bis auf Weiteres jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderöffnung ist am Pfingstmontagnachmittag.

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