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Gemeinderatsbeschluss und Aussprache: Warum aus Gmein Gmain wird

Die Brannenburger haben ihren Ortsteil Gmain gebührend gekennzeichnet, Rohrdorf zieht nach.
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Die Brannenburger haben ihren Ortsteil Gmain gebührend gekennzeichnet, Rohrdorf zieht nach.

Die Auskunft: „Heid muaß i no aufd Gmoa“ bedeutet so viel wie: „Heute habe ich noch einen Termin bei der Gemeindeverwaltung“. Allerdings hört man verschiedentlich schon ein neubairisches „Gmeindde“. Was das mit einem Ortsnamenwechsel zu tun hat.

Rohrdorf/Gmein – Dieses althergebrachte Wort „Gmoa“ bezeichnete laut Heinrich Gotthard (Freising, 1849: „Über die Ortsnamen in Oberbayern“) ursprünglich das, „was der ganzen Gemeinde gehört: Gemeinweiden, Hölzer“ (= Wälder). Die „Gmein“ erinnert daher an die sprachhistorisch verwandte „Allmende“.

Dieser Begriff, der aus den Wörtern „all“ und „Gemeinde“ besteht, „bezeichnet wohl von Anfang an die Grundstücke, die der Dorfgemeinschaft gehören; im Deutschen daneben auch die Dorfgemeinschaft selbst. Es liegt wohl letztlich ein einheitliches Wort vor (…). Ob es als germanisch *ala-(ga)main-thô(n) anzusetzen ist, läßt sich nicht mit Sicherheit entscheiden“ (Kluge-Seebold, Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache, 23. Aufl. 1995).

Wie dem auch sei: Mit der Schreibung des erschlossenen – daher das Zeichen * – germanischen Wortelements ‚gamain‘, das laut Kluge-Seebold vom Eigenschaftswort „gemein“, germanisch *gamain, herrührt‚ sind wir schon mitten im Thema, das neulich eine Gemeinderatssitzung der Gemeinde Rohrdorf beschäftigt hat.

Konrad Breitrainer, ehemals Landtagsabgeordneter und inzwischen hochgerühmter Buchautor und Heimatforscher, hatte den Antrag gestellt, den Rohrdorfer Gemeindeteil Gmein künftig als Gmain zu schreiben. Bürgermeister Simon Hausstetter berichtet, der Antrag sei vom Gemeinderat einstimmig angenommen worden.

Außerdem begründet das Gemeindeoberhaupt die Entscheidung, ab sofort Gmein mit ai zu schreiben, wie folgt: Der Gemeindeteil Gmein werde als „Gmoa“ gesprochen. Wenn man die Wörter „Saite“ und „Seite“ miteinander vergleicht, heißt die Saite eines Instruments auf Bairisch „Soatn“, die rechte oder linke Straßenseite aber „Seitn“. Somit könne man im Rückschluss auch bei „Gmoa“ von einem „Gmain“ ausgehen. Gmein sei hier unrichtig, da es im Bairischen nicht Gmei, sondern eben Gmoa heiße.

Was sagt die Wissenschaft?

Was sagt die Wissenschaft? Professor Karl Weinhold unterscheidet in seinem Werk „Bairische Grammatik“ (1867) zunächst klar zwischen der ai- und der ei-Schreibung im Bairischen. Die ei-Schreibung beruhe auf einer sprachlichen Neuerung des 13. Jahrhunderts, als ein langes î sich zum Diphthong (Zwielaut) ei entwickelte.

Andererseits, so Weinhold, sei die ai-Schreibung für den althergebrachten, schon seit germanischer Zeit existierenden Zwielaut ai – siehe germanisch *gamain – schon in althochdeutscher Zeit (750 – 1050) nicht einheitlich gewesen; für ai sei schon im 8. Jahrhundert – „dafür und daneben“ – ei geschrieben worden.

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Somit haben wir eine Erklärung für das Durcheinander bei „Weide“ oder „zwei und drei“: Ist die Viehweide – Woad – oder der Baum Weide gemeint? Wie soll man einem Zugereisten (Achtung: „Zuagroastn“) klarmachen, warum es bairisch nicht „droa“, sondern „drei“ heißt? Naja: Mit Hilfe der Sprachwissenschaft!

Drei schrieb man auch vor dem 13. Jahrhundert nicht als „drai“ oder „drei“, sondern als „drî“. Als positive Folge der Neuschreibung Gmain sagt der Bürgermeister: Es werde nun endlich „a Ortsdaafä“ für Gmain – geben! Natürlich ohne Lautschrift „Gmoa“. Braucht’s ja ned!

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