Gelungene künstlerische Komposition

„Schriftbild“ von Lenz Hamberger. Der Holzschneider feiert bald seinen 80. Geburtstag. re

Prien –. Eine überaus positive Zwischenbilanz können die Macher der Ausstellung „Künstlerfreunde“ ziehen: Mehrere hundert Besucher haben sich bereits jetzt von einer der „gelungensten künstlerischen Kompositionen der letzten Jahre“, wie es ein Kenner der Chiemgauer Kunstszene nannte, überzeugt.

Kein Wunder, denn die Zusammenführung von herausragenden Arbeiten der verstorbenen Bildhauerin Marianne Lüdicke, die 2019 ihren 100. Geburtstag hätte feiern können, des bekannten Malers Konrad Huber, der in diesem Jahr genauso alt geworden wäre, und des bald achtzigjährigen Holzschneiders Lenz Hamberger stellt ohne Zweifel nicht nur in Prien einen Höhepunkt des Ausstellungsjahres 2020 dar.

Verteilt über drei Stockwerke erwarten den Betrachter überraschende Einblicke in das regionale Kunstschaffen der vergangenen Jahrzehnte, wobei vor allem die geschickte Aufteilung der einzelnen Räumlichkeiten ins Auge fällt. Zwar hat sowohl Konrad Huber als auch Lenz Hamberger „seine“ Etage, dazwischen aber geben immer wieder die unverwechselbaren Großplastiken von Marianne Lüdicke den dazu passenden Rahmen. So wie dieses Trio zu Lebzeiten der beiden „Großen“ gemeinsam mit Lenz Hamberger die Chiemgauer Künstlergemeinde begleitet und geleitet hat, so zeigt auch diese Gemeinschaftsschau, wie sich die drei gegenseitig beeinflusst und ergänzt haben.

Der große Saal der Galerie wird durch ein halbes Dutzend eindrucksvoller Bronzeplastiken Marianne Lüdickes in Verbindung mit elf großflächigen Arbeiten Konrad Hubers, zum eigentlichen Zentrum dieser Ausstellung. Dessen Arbeiten, die sich glücklicherweise im Besitz des Landkreises Rosenheim befinden, erinnern an den modernen „Klassiker“ Konrad Huber, der sich Zeit seines Lebens mit der Antike und den Überlieferungen des frühen Christentums befasst hat. Von Adam und Eva bis hin zu biblischen Frauen aus dem Alten und Neuen Testament reicht diese Bilderschau. Aber auch die übrigen Werke Konrad Hubers können sich sehen lassen: in erster Linie Bilder aus dem Osternacher Umfeld und etliche farbenvoll abstrahierte Bergbilder aus der näheren Umgebung.

Lenz Hamberger wiede rum überrascht mit noch nie gezeigten Schriftbildern zu eigenen Texten, aber auch zu historischen Aussagen von Ernst Jandl, H.  C.  Artmann oder Oswald von Wolkenstein. Eine Hommage an Wilhelm Neufeld, der ebenfalls zu dem geschätzten Kreis der Priener Kalendermacher gehörte, darf nicht fehlen. Weitere ausgestellte Werke beweisen, welch unterschiedliche Ausdrucksformen mit dem Holzschnitt möglich sind.

Bis zum 22. März kann sich jeder noch von der Qualität der „Künstlerfreunde“ in der Galerie im Alten Rathaus selbst überzeugen. Geöffnet ist die Ausstellung von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Eine rund einstündige Familienführung am Sonntag, 22. März, zu der keine Anmeldung erforderlich ist, beschließt die Ausstellung.

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