Der gelingende Augenblick: Bilder von Richard Vogl in Bad Aibling

Richard Vogl: „Nachklang“ (2020), Öl auf Leinwand.
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Richard Vogl: „Nachklang“ (2020), Öl auf Leinwand.

Was erwartet den Besucher einer Ausstellung, deren poetischer Titel „unmöglich scheint immer die Rose“ lautet? Die Zeile aus Goethes „West-östlichem Diwan“ reflektiert das Gelingen von Schönheit, auch wenn dies zunächst unmöglich scheint, so wie bei der Rose, die ihre Anmut aus unscheinbarem Geäst heraus entfaltet. In der Galerie Villa Maria ist das Werk von Richard Vogl zu entdecken.

von Ute Bößwetter

Bad Aibling – Der Maler und Zeichner Richard Vogl aus Bernhardswald lädt die Betrachter ein, in seinem Werk den Humor, den Tiefsinn und letztlich die Schönheit des Augenblicks zu erkennen.

„Beobachtungen, Gedanken, Einfälle“

In seiner Malerei gleichwie im zeichnerischen Werk setzt er nach seinen eigenen Worten „Beobachtungen, Gedanken, Einfälle und Empfindungen so direkt, knapp und einfach wie möglich“ um. 42 Arbeiten, Öl auf Leinwand, Ölpastell, Kohlezeichnung und Aquatintaradierung präsentiert die Ausstellung in der Villa Maria, und alle Werke sprühen vor Einfallsreichtum.

Mehrere Ölgemälde zeigen Beobachter – nur der Kopf ist sichtbar – über eine Mauer hinwegschauend und eine Szene ins Auge fassend. So zum Beispiel im Bild mit dem Titel „Vogelbeere“: der Kopf mit großen Augen schaut über eine Hecke auf einen Vogel, der wiederum eine Beere betrachtet. Die Beere, die dem Gemälde den Titel gibt, liegt klein und unscheinbar im Vordergrund. In einem weiteren Bild beobachtet ein Kopf, dieses Mal mit Hut, über eine Mauer hinweg einen Fuchs, der zwar nicht die Gans, aber einen Vogel im Maul gefangen hält und der damit tut, was seine Bestimmung ist. Warum in einem der Ölpastelle eine Frauengestalt im gelben Kleid waagerecht in der Luft liegt, verrät der Titel des kleinen Bildes: „Windbräutchen“.

Menschen und Tiere, insbesondere Hund und Vogel (letzterer namensbedingt, erklärt Richard Vogl schmunzelnd) bevölkern die Bilder, und auch den Kirschen gebührt ein besonderer Platz im Oeuvre des Malers. Sein Pinselstrich besitzt eine eigenwillige Ästhetik, nichts ist glatt und ebenmäßig, eine bewusst spröde Gestaltung in den Gemälden und eine gewollt breite Linienführung in den Zeichnungen bestimmen die Arbeiten.

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Unter den Kohlezeichnungen der Ausstellung fällt der „Geschirrstapler“ ins Auge, ein mit wenigen Merkmalen gestalteter Kopf, auf dem eine Vielzahl von Tellern und Tassen balanciert wird – ein Sekundeneindruck, von dem man annehmen muss, dass er nicht lange währt. Dieses Festhalten eines Augenblicks bestimmt das gesamte Werk Richard Vogls.

Die breiten Linien einer Kohlezeichnung auf seine Aquatinta-Arbeiten zu übertragen, gehört seit langem zu den Bemühungen des Künstlers. Dazu hat er eine aufwändige Technik entwickelt, die acht Arbeitsgänge erfordert, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Das Bild einer Familie

Auf ein großformatiges Ölgemälde stößt der Besucher am Ende des Rundgangs durch die Galerie: Mit dem Titel „Nachklang“ zeigt sich das Bild einer Familie, Vater, Mutter, Mädchen, Junge und Hund, die – obwohl nicht nahe beieinander – eine liebevolle Zusammengehörigkeit an den Tag legen. Eine leichte Müdigkeit, Zufriedenheit und Glück strahlen die Personen aus, die Ernte des Tages – ein Korb mit Gepflücktem in den Händen des Buben, ein Blumenstrauß auf der Bank – sind Attribute des Gelingens. Richard Vogl, der auch hier eine Momentaufnahme wiedergibt, hat den perfekten Augenblick festgehalten.

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