Pianistin Olga Scheps gastierte in Neubeuern

Gefühlvoll und ohne Pathos

Dass Olga Scheps anstelle des erkrankten Till Fellner kurzfristig einsprang, war für die Besucher zunächst eine Überraschung. Doch die in Moskau geborene Pianistin bezauberte im Schlosssaal von Neubeuern mit ihrer mädchenhaft-scheuen Anmut und ihrem brillanten Klavierspiel gleich nach den ersten Takten die Herzen der Hörer. Neben Beethoven spielte Scheps Werke von Mozart, Rachmaninow und Chopin.

Beethovens D-Dur Sonate gilt als fantasievoll und pianistisch besonders wirkungsstark. Bereits im wirbelnden Presto spielte die junge Pianistin mit einem wunderbar weichen, seidigen Anschlag, die rauschenden Akkordbrechungen mit schwungvoller Leidenschaft und das düstere Largo e mesto ausdrucksvoll und mit großer Sensibilität. Das Rondo mit seinem lichten, verspielten Klangzauber wurde von kurzem Donnergrollen eines vorbeiziehenden Gewitters dramatisch untermalt.

Mit Mozarts a-Moll Rondo konnte Olga Scheps einmal mehr ihren Sinn für das pianistische Ausloten schwermütig-poetische Stimmungen demonstrieren. Sanft im Ausdruck, zugleich voller Tiefe und Schlichtheit, sprechen aus der zarten Melodie Wehmut und Trauer, dominiert die scheinbar unschuldige Heiterkeit ein Gefühl von Resignation. Der Pianistin gelang ein leuchtender Klang, ein farbiges nuancenreiches Spiel. Sie meisterte die hohen technischen Anforderungen mit Leichtigkeit und Bravour.

Beethovens Wut über den verlorenen Groschen schien die Pianistin ein wenig eigenwillig zu interpretieren. Die rasanten Tonkaskaden nahm sie recht unbekümmert, schien von der Flut der Akkorde, die das Publikum in fassungsloses Staunen versetzte, selbst mitgerissen zu werden. Die folgenden elegisch-kraftvollen Variationen über ein Thema von Corelli und die zwei Preludes in D-Dur und G-Moll von Rachmaninow waren voller virtuoser Raffinesse und dekorativer Pracht. Olga Scheps nahm diese Herausforderung mit spielerischem Ernst und ohne jegliches Pathos.

Ein Höhepunkt des Abends war Chopins berühmte G-Moll Ballade. Hier gewann man augenblicklich den Eindruck, die Pianistin sei ganz bei sich selbst. Zarter, gefühlvoller, intensiver können diese mal wild zerrissen, dann wieder träumerisch-verklärten Themen kaum gespielt werden. Den dramatischen Schluss interpretierte Olga Scheps gleichwohl mit unglaublicher Wucht. Für den stürmischen Applaus bedankte sich die Pianistin mit einem Walzer von Skrjabin und einem ätherischen Nocturne von Chopin.

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