Nachruf

Gedenken an Wasserburger Regisseur Gerry Mierbeth: „Er hat unglaubliche Energien freigesetzt“

Gerry Mierbeth, leidenschaftlicher Theatermann, verstarb mit 58 Jahren.
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Gerry Mierbeth, leidenschaftlicher Theatermann, verstarb mit 58 Jahren.
  • Winfried Weithofer
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Er war einer der großen Theatermacher im Landkreis Rosenheim: Gerry Mierbeth. Der Regisseur und Mitbegründer des Theaters Wasserburg erlag im Krankenhaus in Bad Aibling einem Krebsleiden. Der gebürtige Rosenheimer wurde nur 58 Jahre alt.

Wasserburg – In den frühen Jahren seines Berufslebens gehörte Gerry Mierbeth zur Theaterkeimzelle um Regisseur Toni Müller in Rosenheim – 20 theaterbegeisterte junge Männer hatte Müller in den 80er Jahren dort um sich versammelt.

Mierbeths langjähriger Wegbegleiter, der Architekt Richard Kröff (60), erinnert sich noch gut an die Anfänge des Müllerschen Schauspiels in Rosenheim: „Wir wollten alle irgendwas Aufrührerisches spielen, was völlig Verrücktes.“ Auf dieser Ebene kamen Mierbeth und sein Ziehvater Müller zusammen, gründeten gemeinsam das „Theater am Markt“, das jetzt „Theaterinsel“ heißt.

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Gerry Mierbeth hat begeistert

Das Studium – Philosophie und Theaterwissenschaften – hatte Mierbeth da schon an den Nagel gehängt. „Er hat es geschafft, uns zu begeistern“, so Kröff. „Er hat bei uns unglaubliche Energien freigesetzt, wir haben für ihn praktisch umsonst gearbeitet.“ Vor ein paar Wochen traf Kröff den alten Freund noch einmal zum Kaffeetrinken, Gerry Mierbeth zeigte dabei seine ungebrochene Lebenslust. „Er hat gewusst, dass er Krebs hat, war aber optimistisch.“

Mierbeth orientierte sich Mitte der 80er Jahre weg von Rosenheim, hin nach Wasserburg. Die Stadt nahm er als „kulturelle Wüste“ wahr – aber eben auch als eine, die entwicklungsfähig war. „Wenn man hier Theater macht, dann haut das voll rein“, so seine Schlussfolgerung. Der erste Standort wurde ab 1990 die stillgelegte Brauerei „Greinbräu“, ab dem Jahr 2000 dann – mit ihm als Gründer – das Theater Belacqua. Der noch heute dort als Leiter tätige Uwe Bertram wurde zu seinem Kompagnon – eine Partnerschaft, die allerdings nur wenige Jahre lang halten sollte.

Die Wasserburger Zeit des Regisseurs

Vom Theater Wasserburg zog sich Mierbeth später schweren Herzens zurück, er gab aber noch Schauspielkurse und inszenierte Stücke im Theatersaal des sozialpädagogischen Förderzentrums Wasserburg. Kröff beschreibt ihn als „introvertierten Menschen“, der aber aufblühte, wenn er als Darsteller und Regisseur gefordert war.

Gerry Mierbeth war nicht nur Regisseur, er war auch Schauspieler, Autor, Musiker, leidenschaftlicher Koch und liebevoller Vater. Aus der Ehe mit seiner Frau Brigitte ging eine Tochter hervor.

Unvergesslich bleibt die erste Theater-Aufführung am Naturstein-Theater „Am Stoa“ mit Hendrik Ibsens „Peer Gynt“ im Jahr 1999. Das derbe Volkstheater war nie Mierbeths Bestreben – er stellte hohe künstlerische Ansprüche an sich.

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