Galerie Markt Neubeuern: Der Zeit und den Zeichen nachgespürt

Unter dem Titel „Zeitzeichen“ präsentieren Heike Weber (links) und Therese Austermann gemeinsam ihre Arbeiten in der Galerie am Markt.
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Unter dem Titel „Zeitzeichen“ präsentieren Heike Weber (links) und Therese Austermann gemeinsam ihre Arbeiten in der Galerie am Markt.

Die Textilkünstlerin Therese Austermann vom Künstlerkreis Neubeuern hat die Schriftkünsterin Heike Weber als Gast eingeladen, mit ihr in der Galerie am Markt, Marktplatz 5, die Ausstellung „Zeitzeichen“ zu gestalten.

von Edith Riedl

Neubeuern – Heike Weber beschäftigt sich seit 2008 intensiv mit Kalligrafie und historischen Schriften. Bei ihren Arbeiten geht es ihr um die Einheit von Inhalt und Form des gegebenen Textes. Sie nutzt für ihre Schriftbilder Papier und Leinwand.

Vergessene und neugeschöpfte Worte

Für diese Ausstellung hat sie sich mit aus der Zeit gefallenen Worten, neugeschöpften Worten und Gedichten zum Thema Zeit aus der Feder bekannter Schriftsteller befasst. Sie gestaltete Sprüche aus verschiedenen Epochen. Eine ihrer Erkenntnisse; Das Thema Zeit hat auch schon vor 2000 Jahren eine Rolle gespielt hat und die Menschen haben sich gestresst gefühlt. Das „Grimmsche Wörterbuch“ war ihr eine Quelle an alten Wörtern.

„Während der Arbeit an dem Bild ‚Verdammt lang her‘, das aus Acrylfarbe, Chinatusche und Gouache entstanden ist“, erzählt die Schriftkünstlerin, „habe ich festgestellt, dass es aussieht wie Vergangenheit. Dazu fiel mir der Titel des gleichnamigen Songs von BAP ein, den ich dann über das Bild geschrieben habe“. Durch eine alte Schrift, die wieder abgedeckt wurde, die aber trotzdem durchscheint, entstand der Titel „Suche nach der verlorenen Zeit“. Die moderne Wegwerfgesellschaft problematisiert sie unter dem Titel „Meine alte Gartenbank“ mit Stücken, die aus ihrer alten Gartenbank gesägt wurden und auf die sie Sprüche über die Zeit gemalt hat. Auch den Wörtern und Unwörtern des Jahres hat sie sich gewidmet.

Die Bilder und Installationen von Therese Austermann werden aus vielfältigen Materialen gefertigt und mit transparenter, bemalter Seide überzogen. Diese legt sich wie eine verletzliche Haut über die Werke und erzeugt Vielschichtigkeit und Tiefe. Auch ihre Bilder sind eigens für diese Ausstellung entstanden.

Vieldeutige Zeichen

„Jedes der Zeichen, die ich entdeckt habe, hat eine Geschichte“, erläutert die Künstlerin zu ihrem Werk. Sie spürt Zeichen auf, die unser Leben begleiten und unser Denken und Handeln beeinflussen. Manche Zeichen sind universell und zeitlos, manche Zeichen tauchen auf und sind schnell wieder verschwunden. Besonders eindrucksvoll ist das in ihrem Bild „Shanghai on-line“ dargestellt, in dem in der U-Bahn alle auf ihre Smartphones starren und unzählige Smileys durch die Luft schwirren.

„Unsere Zeit rinnt durch unsere Hände, wie der Sand, wie der Sand“ heißt ein Bild, auf dem durch die darübergelegte Seide der gemalte Sand beinahe sichtbar durch die Hände rinnt, während in der Videoinstallation „flow“ ein Kind gedankenverloren die Zeit vergisst. Corona thematisiert sie in ihrem Tryptichon mit den Titeln „König Corona stoppt die Zeit“, „König Corona beherrscht die Welt“ und „König Corona trennt und isoliert“.

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