Den Frühling herbeigespielt

Zauberten den Frühlung zumindest musikalisch herbei: die Musiker des Kammerorchesters Kolbermoor. Scherbaum

Kolbermoor – Kinder wünschen sich oft Dinge so lange und so fest, bis sie in Erfüllung gehen.

Aber kann man Wünsche auch „herbeimusizieren“?

Das Kammerorchester Kolbermoor hatte in Sachen Frühlingssehnsucht offenbar einen sehr festen Willen und das mit Erfolg: Für seine jüngsten Konzerte, für die es mit Aufführungen in Brannenburg, Kolbermoor und Söchtenau eine kleine Landkreis-Tournee unternommen hatte, hatte es nicht nur insgesamt lauter frische, zupackende Werke in sein Programm aufgenommen, sondern mit Vivaldis „Der Frühling“ aus den „Vier Jahreszeiten“ das Frühlingsstück schlechthin. Und siehe da: Waren die ersten Konzertabende noch kalt und verregnet, strahlte am letzten Konzerttag die Sonne warm vom wolkenlosen Himmel.

Auftakt mit Tänzenaus der Renaissance

Orchesterleiter Martin Kreidt hatte zwei tänzerische Werke als Rahmen gesetzt und sein Streichorchester dafür um Blockflöte, Oboe und Schlagwerk erweitert. Den Auftakt bildete zunächst eine Zusammenstellung selten zu hörender, aber auch nach Jahrhunderten noch quicklebendiger Renaissancetänze aus der Sammlung „Terpsichore“ von Michael Praetorius. Das Orchester instrumentierte die einzelnen Tänze höchst abwechslungsreich und kurzweilig – und baute als Überraschung sogar eine vierstimmig gesungene Pavane ein.

Damit hatten die Musiker ihr Publikum bereits ziemlich frohgemut gestimmt, als es mit Vivaldis „Der Frühling“ und dem anschließenden Bach’schen Doppelkonzert für Violine und Oboe an den Kern des Programms ging.

Solist für Vivaldis so fantasievolles, virtuoses und effektreiches Konzert war Marinus Kreidt, der derzeit in Innsbruck Geige und Bratsche studiert und als Konzertmeister das Orchester klar und überzeugend führte. Er zog alle Register seines Geigerkönnens und trat mit Virtuosität, zutiefst musikalischer Gestaltung und Agogik in einen stimmigen und anregenden Wettstreit zwischen Solist und Orchester ein, das auf seine Impulse ebenso willig und wie gekonnt einging.

Violine undBratsche wetteifern

Auch bei Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert wirkte Marinus Kreidt als Solist, dieses Mal zusammen mit Maria Kaltenbrunner an der Oboe. Sie studiert in Nürnberg Oboe. Die beiden Melodieinstrumente brachten ihre jeweilige Klangfarbe und instrumentalen Möglichkeiten abwechselnd zur Geltung und wetteiferten meisterlich in puncto tonlicher Gestaltung und instrumentaler Virtuosität.

Das Orchester trat als weiteres Gestaltungsmoment hinzu – nicht nur, indem es die Solisten aufmerksam unterstützte, sondern auch durch seine zupackende Ausführung des Doppelkonzerts.

Den Schluss des Programms bildete – wiederum um Blockflötistin Julie Berger, Maria Kaltenbrunner und Perkussionist Alexander Staiger erweitert – Musik von Jean Baptiste Lully zur Ballettkomödie „Le Bourgeois Gentilhomme“.

Mit dieser Ballettmusik schlug das Orchester einerseits einen Bogen zu den eingangs gehörten Tanzsätzen, kehrte aber zugleich den Unterschied zwischen den dahineilenden Renaissancetänzen und dem französischen Barock in seiner artifiziellen Vollendung bewusst und deutlich heraus: Scharf punktiert und doch zugleich geschmeidig, rhythmisch hoch komplex und dabei immer noch tänzerisch agierte hier das Kammerorchester. Flöte und Oboe verfeinerten als i-Tüpfelchen die Klangfarbe der einzelnen Sätze, die dadurch in ihrem Charakter wie auch durch die verschiedentlich hinzutretende Trommel und Schelle besonders betont wurden.

Bei so viel musikalischem Temperament und frühlingshaftem Weckruf hatte das begeisterte Publikum am Ende schließlich auch noch einen Wunsch, nämlich den nach einer Zugabe, den das Kammerorchester Kolbermoor nur allzu gern erfüllte.

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