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Klaviertage Erl

Friedensbitte mit Pauken und Trompeten im Erler Festspielhaus

Alle spielen und singen mit bei der Friedensforderung: Der Chor Ad Libitum, das Festspielorchester und die Solisten (von links) Callum Thorpe, Mingjie Lei, Lina Dambrauskalte, Annelies van Gramberen und Kelsey Lauritano.
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Alle spielen und singen mit bei der Friedensforderung: Der Chor Ad Libitum, das Festspielorchester und die Solisten (von links) Callum Thorpe, Mingjie Lei, Lina Dambrauskalte, Annelies van Gramberen und Kelsey Lauritano.

Die Erler Klaviertage enden nicht mit Klavier, sondern mit Chorgesang. Des Palmsonntags würdig ist der Rahmen: Nicht nur steht Bachs H-Moll-Messe auf dem Programm, sondern anfangs lässt Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner Palmsträuße segnen, die nach dem Konzert an die Zuhörer verteilt werden.

Erl/Tirol – , und Haselsteiner verkündet auch, dass dieses Benefizkonzert das Concordia-Projekt unterstützt, das flüchtenden ukrainischen Kindern und Jugendlichen hilft.

Bedeutungsschwere Langsamkeit

Die litauische Dirigentin Giedre Šlekyte hat nicht nur ein Bändchen mit den ukrainischen Nationalfarben in ihrem Zopf, sondern bittet auch musikalisch inständig um Frieden: „Et in terra pax“ heißt die Friedensbitte im „Gloria“ der katholischen Messe, „und auf Erden Friede den Menschen“. Normalerweise singt der Chor diesen Satz. Šlekute lässt aber diese Chorfuge zunächst (wie es auch John Eliot Gardiner tut) in bedeutungsschwerem langsamerem Tempo von den Solisten beginnen, bis die drängenden Trompeten und schließlich die Pauke diese Bitte instrumental intensivieren und schließlich machtvoll auch der Chor einsetzt: ein Moment, der zu Tränen rührt. Und ein Zeichen dafür, wie genau die junge Dirigentin diese Messe durchgearbeitet hat. Mit so eleganten wie suggestiven Gesten fordert sie die durchweg raschen Tempi ein, die den oberösterreichischen Chor Ad Libitum manchmal doch fast ins Schleudern bringen und manchmal - wie beim „Cum sancto spiritu“ – den swingenden Dreiertakt verwischen. Aber ihr gelingen immer wieder machtvolle Steigerungen im ruhigen Fluss der Kontrapunktik. Insgesamt geht viel innere Ruhe und Sicherheit von ihr aus, auch weil sie die Choreinsätze gestisch immer gut vorbereitet.

Der Chor klingt kompakt und homogen und singt mit sichtbarer Anteilnahme, ja Herzblut. Die Soprane und auch die Tenöre haben Leuchtkraft, die – zumindest zu Beginn – unangestrengten Tenöre setzen auch die Kopfstimme geschickt ein.

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Das Festspielorchester folgt den Angaben der Dirigentin genau, auch wenn man ihm anhört, dass es nicht seine alltägliche Musik ist. Die Instrumentalsolisten glänzen durchwegs, bis auf den Konzertmeister, dessen Phrasierung im „Laudamus te“ nicht ganz überzeugt.

Die beiden Soprane, Lina Dambrauskalte und Annelies van Gramberen, loben Gott mit allerliebstem Vogelgezwitscher in den Koloraturen, als wenn die Natur selber einstimmen würde, Mingjie Lei führt seinen prächtigen Tenor leicht und ohne Nachdruck. Dafür drückt der Bass Callum Thorpe ordentlich drauf und orgelt mit dominantem Opernpathos. Die Altistin Kelsey Lauritano kann strenges Legato auf großem Luftpolster singen („Qui-sedes“-Arie), aber gerade beim Schmerzensgesang des „Agnus Dei“ packt sie ihren Operngestus aus, singt klangüppig, Portamento-selig und in der Tiefe kehlig.

Packend sind immer die Chöre: Das „Qui tollis“ kommt ganz verinnerlicht, der Chor kostet die schmerzreiche Harmonie schön aus. Jubelnder Aufruhr herrscht beim „Gloria“-Schluss und beim „Sanctus“ und schwergewichtige Bedeutsamkeit im „Et incarnatus est“.

„Dona nobis npacem“

Wie in die Kriegszeit passend endet die Messe mit der Friedensbitte: Giedre Šlekyte lässt das „Dona nobis pacem“ leise beginnen und dann dynamisch wie emotional stark steigern, während der Chor noch einmal alle Kraft aufbringt, bis zum Einsatz der Trompeten und Pauken: Der Friede wird geradezu flehentlich eingefordert. Möge diese Bitte Erfolg haben!

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