Abschluss der Musiktage Oberaudorf-Reisach mit dem Bläserensemble Esbrassivo

Elf Freunde, die alles können

Esbrassivo gaben zu elft das Schlusskonzert der Musiktage Oberaudorf-Reisach. Foto Poll
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Esbrassivo gaben zu elft das Schlusskonzert der Musiktage Oberaudorf-Reisach. Foto Poll

Beim Yehudi-Menuhin-Festival in der Schweiz, wo die Bläsergruppe Esbrassivo dieses Jahr gastieren wird, kostet die Eintrittskarte von 50 bis 100 Schweizer Franken und voraussichtlich wird das Konzert am 29. Juli ausverkauft sein, da in Gstaad eigentlich immer alles ausverkauft ist. Beim Abschlusskonzert der Musiktage Oberaudorf-Reisach im Oberaudorfer Kursaal hätte die Karte nur 14 Euro gekostet, sehr preiswert für ein Ensemble wie dieses. Leider wurde von dem Angebot wenig Gebrauch gemacht, nur von denen, die gekommen waren, trotz Fußball im Fernsehen, Hitze und Peter-und-Paul-Feiern. Für Bürgermeister Hubert Wildgruber war es aber bei seiner Begrüßung das "beste Publikum der Welt", klein aber fein.

Beim Konzert kam nun die Bläsergruppe Esbrassivo nicht in ihrer Stammbesetzung zu fünft, sondern aufgerüstet auf elf - passend zur Fußball-EM und bewies einen Tag nach dem Ausscheiden des deutschen Teams, was man zu elft alles auf die Beine stellen kann! Es war nicht nur eine Reise durch vier Musikjahrhunderte, sondern auch quer durch sämtliche Stilrichtungen. Esbrassivo und ihre musikalischen Freunde führten die Zuhörer von der Renaissance über argentinischen Tango zu Bach, dem im Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" eine selten gehörte Klarheit und Transparenz verliehen wurde, dass man meinen hätte können, Bach habe für dieses Bläserensemble komponiert.

Daraufhin gab es eine Eigenkomposition, extra für das Yehudi-Menuhin-Festival: moderner Big-Band-Sound mit Alphörnern (Marinus Brückmann und Thomas Topolski). Da hätten die Zuhörer am liebsten mitgewippt! Bei der fulminanten musikalischen Kurzversion aller vier Folgen von "Fluch der Karibik" glaubte man fast, Captain Jack Sparrow durch den Oberaudorfer Kursaal tänzeln zu sehen, um gleich darauf vom Choral "Der Herr hat seinen Engeln befohlen über Dir" aus dem Oratorium Elias von Felix Mendelsohn-Bartholdy dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Das ist auch eine der Stärken des Ensembles: der schnelle Wechsel zwischen den Stilrichtungen, der aber immer passt.

Nach der Pause verzauberte die musikalische Elf mit Wiener Kaffeehausmusik, die auch ohne Kaffee ihre Wirkung tat und die Zuhörer innerlich Walzer tanzen ließ. Beim "Jägerchor" aus dem "Freischütz" glänzten die Hornisten, als würden sie eh nichts anderes tun, als der Jagdmusik zu frönen und konnten anschließend bei einem Potpourri aus "Der Herr der Ringe" ihre Leidenschaft für Filmmusik unter Beweis stellen.

Korbinian Weber musste schließlich als "Oberaudorfer Lokalmatador" ans Dirigentenpult. Sie können einfach alles: komponieren, arrangieren, dirigieren, moderieren (erfrischend frei der Tubist Thomas Stadler und der Hornist Marinus Brückmann) und vor allem spielen. Logisch, dass das Publikum mehr wollte. So endete dieser wunderbare Sommerabend mit Musik von Michael Jackson, dem "Bayerischen Defiliermarsch" und endlich mit "Guten Abend, gute Nacht", dem Wiegenlied von Brahms. Weil die Musiker von Esbrassivo wirklich alles können! pom

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