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SAKRALES KUNSTWERK AM BERG

Bildhauer Christian Huber aus Hohenaschau über sein neues Werk in Aschau

Flora (links), Mutter Erde (rechts) sowie das Weltkind Christian „Huba“ dazwischen.
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Flora (links), Mutter Erde (rechts) sowie das Weltkind Christian „Huba“ dazwischen.

Aschau – Jüngst hat er die Pfarrkirche von Aschau über der Eingangstür mit einer Madonna mit goldglänzendem Jesuskind geschmückt. Sein neuestes Werk ist der Heilige Franziskus für eine Privatkapelle am Schwarzenberg bei Kiefersfelden: Bildhauer Christian Huber „Huba“ aus Hohenaschau im Gespräch.

Warum sind Sie gerade nach Bremen an die Kunsthochschule gegangen?

Christian Huber: Ich habe bei der Sommerakademie in Salzburg den Bildhauer Waldemar Otto kennengelernt. Ich wusste bis dahin nicht, dass es überhaupt noch jemanden gibt, der mit Autorität zu dieser Zeit Figuren modelliert. Damals hat die Abstraktion alles beherrscht.

Seit wann wussten Sie denn, dass Sie Bildhauerei betreiben wollten?

Huber: Ich komme aus einer Künstlerfamilie. Mein Vater war Lüftlmaler. Es gab keine Malschule, aber es gab in Hallein eine Bildhauerschule. Wer aus dem Salzburgischen etwas Künstlerisches lernen wollte, der ging dorthin. Ich hab‘ dort mit 14 Jahren angefangen. Das war zunächst mal nicht mit großem Enthusiasmus verbunden, es war eher ein Muss. Entdeckt hab alles erst später durch einen Lehrer in Innsbruck, der mir künstlerisch die Tür geöffnet hat. Er war ein Schüler von Fritz Wotruba (Anm. des Interviewers: Fritz Wotruba (1907-1975) war einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts), der mit schweren kubistischen Arbeiten berühmt wurde). So richtig ging’s bei mir erst mit 18 Jahren los. Von Innsbruck ging’s dann rauf nach Bremen. Es war ein langer Weg mit vielen Lehrern, insgesamt zwölf Jahre Ausbildung.

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Kannten Sie mit 18 schon die ganze ikonografische Darstellungstradition?

Huber: Ich bin in Pfarrwerfen direkt neben der Kirche aufgewachsen, eine ganz fantastische gotische Wehrkirche, und die Gotik war für mich dann die wichtigste Stilepoche. Mit 35 Jahren hab‘ ich dann immer noch Fahrten nach Nürnberg gemacht, in die Sebaldus- und Lorenzkirche und vor allem zu Veit Stoß. Der ist für mich wie Michelangelo für einen anderen, er ist für mich wie ein Pilgerort. Ich würde sagen: Ich komme aus dieser Tradition und sehe mich eher nicht so als freier Künstler, wie ihn die Moderne entwickelt hat, sondern als ein „Meister“.

Haben Sie Ihre Ausbildung mit einem „Meistertitel“ beendet?

Huber: Ja: Das erste war der Gesellenbrief, dann kam das Fachabitur, dann das künstlerische Diplom – und später hab‘ ich in Hallstatt den Handwerksmeister in Stein und Holz noch draufgesattelt.

Also ein „Meister in allen Sparten“!

Huber: Ja – ich bediene ja alles: den Stein, das Holz, und auch den Guss.

Christian Hubas neuestes Werk: „Der Heilige Franziskus – gezeichnet von der Liebe Gottes“, zu sehen in einer Privatkapelle am Schwarzenberg bei Kiefersfelden.

Sie haben sich auch als „Letzten meiner Zunft“ bezeichnet.

Huber: Das bezieht sich auf die Meisterzunft und auf meine Vorliebe für das Figürliche und für mein Material. Es wird nach mir wahrscheinlich keinen mehr geben, der so arbeitet, aus dem Stein heraus erarbeitet. Meine Figuren sind aber schon auch formal Ausdruck meiner Zeit. Die modernen Künstler heutzutage arbeiten ja sonst viel mit Video, mit digitalen Medien oder mit dem 3-D-Drucker.

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Wann und warum sind Sie doch wieder in den katholischen Süden gegangen?

Huber: Ja, der katholische Süden ist eine Bilder-Gegend. Der Katholizismus hat immer mit Bildern gesprochen. Im Norden besucht man Museen, hier im Süden besucht man Kirchen. Und ich bin einer, der Bilder macht, aus dieser Tradition kommt und wieder in diese Tradition zurückwill. Ich bin dann nach Nußdorf am Inn, weil ich in Bremen meine Frau Alraune kennengelernt habe, eine Nußdorferin: Ein Österreicher und eine Bayerin treffen sich in Bremen! In Nußdorf hatte ich ein großes Steinkreuz für den Friedhof gemacht, der Kreisbaudirektor Alois Juraschek hat daraufhin angesprochen und mich für Aschau gleichsam geworben. Hier ist das Wohnen und Arbeiten ideal für uns.

Kommen wir zu Ihrem jüngsten Werk, dem heiligen Franziskus. Warum gerade dieser Heilige?

Huber: Das hat sich im Dialog mit dem privaten Auftraggeber ergeben, das finde ich immer sehr spannend. Der Mann der auftraggebenden Familie wollte eigentlich einen Josef haben…

Er ist aus einem einzigen Lärchenstamm herausgearbeitet?

Huber: Ja, nur die Arme sind angesetzt, das geht ja nicht anders. Auch in der Gotik hat man immer das herausgeschlagen, was in einem Stamm drinnen war.

Ganz deutlich sind ja die roten Rosen…

Huber: …die geradezu aus den Wundmalen herauswachsen, gotisch mystisch, und in Beziehung mit dem Naturheiligen Franziskus. Franziskus ist ja gleichsam ein ganz moderner Heiliger! Das wusste auch der jetzige Papst, als er sich nach ihm benannte: Es brauchte einen neuen Franziskus!

Für mich wirkt die Armhaltung wie segnend.

Huber: Es ist eher so eine Verzückung. Das ist ein Mann, der hat gar nichts mehr, der hat alles hinter sich gelassen, der lebt nur noch in der Welt, die er als sein Wohnzimmer bezeichnet, er schläft unter einem Baum oder in einer Höhle, er ist überall in der Natur zuhause, er hat nichts mehr, woran er angehängt wäre, er ist so frei, unheimlich frei, und ist doch einer, der sich extrem begrenzt, indem er verzichtet. Das ist die Figur, die wir jetzt brauchen: Den Mann, der die Freiheit erlangt, indem er verzichtet!

Es wirkt, als würde sein Körper durchscheinen oder sich auflösen.

Huber: Ich sehe auch dieses Aufgehen im Gesamten.

Der Vers von Hilde Domin („Fürchte dich nicht, / Es blüht hinter uns her“), den Sie zur Interpretation angeboten haben, könnte so verstanden werden: Wo Franziskus hintritt, blüht alles auf?

Huber: Ja, durch sein Wirken, durch seine Zurücknahme, durch sein lindes Auftreten.

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