Frankreich in Obing

- Heißt das «Cafe Laube» in Obing vielleicht in Zukunft «Café Colonial»? So perfekt passte das Ambiente zu dem Auftritt des allerdings im Moment noch sehr kleinen «Orchestre Colonial», bestehend aus Tenor Oliver Trahndorff und Gitarrist Martin Steinack.

Mit Strohhut à la Maurice Chevalier und weißen Gamaschen, Charme und lockerer Leichtigkeit beschwor Oliver Trahndorff schon in seiner Erscheinung das Paris der 30er-Jahre herauf, dazu mit launigen Erläuterungen, um die französischen Texte auch dem der Sprache Unkundigen näher zu bringen, noch viel mehr in den von ihm gekonnt und ganz französisch mit einem Hauch Theatralik vorgetragenen Chansons von Charles Trenet. Er war einer der vielseitigen Künstler des Frankreichs des 20. Jahrhunderts, der im Laufe seines langen Lebens von 1913 bis 2001 nicht nur 1000 Chansons geschrieben, sondern auch Gemälde und Filme geschaffen hat. Schwebende Leichtigkeit, verrückte Träume und natürlich die Liebe - das ist der Stoff, aus dem Trenets Chansons gemacht sind - «aber immer mit Tiefgang», betont Oliver Trahndorff. Dem Publikum im Obinger Cafe jedenfalls haben sie gefallen - der lautmalerische Unsinn von «Boum» genauso wie die Persiflage auf den Hof der französischen Könige «La polka du roi», für die Oliver Trahndorff in Rokoko-Weste und Perücke schlüpfte, die Geschichte vom fliegenden Briefträger ebenso wie das Schicksal von Sonne und Mond, die niemals zueinander finden können, ein Problem, mit dem sie sogar die Philosophen beschäftigen. Natürlich durfte das beinahe einzige auch in Deutschland bekannte Stück von Charles Trenet nicht fehlen: «La mer». Es wurde auch ohne großes Orchester zur freudig begrüßten Zugabe.Martin Steinacks Rolle ging über die des kongenialen gitarristischen Begleiters weit hinaus. Mit ausgefeilten Vorspielen, einem Tango und der instrumentalen Interpretation eines Chansons von Jacques Brel bereicherte er das Repertoire und rechtfertigte den Namen «Orchestre» für das Duo. igr

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