Vom „Fleißigen Bienchen“ bis zum Yankee Doodle

Organist Herbert Weß sagte: „Gott hat nicht nur den Ernst erschaffen, sondern auch den Humor!“ JANKA

Rosenheim – Was ist eigentlich musikalischer Humor?

„Humba tätarä“? Oder zum Beispiel das „Faschingskranzl“ in St. Hedwig in Rosenheim, zu dem der Organist Herbert Weß eingeladen hatte? Viele Zuhörer füllten die Kirche. In der Erwartung, dass nach der Erfahrung der vergangenen Jahre doch wieder ganz besondere Zuckerl als Ohrenschmaus das Programm bereicherten. Und tatsächlich gelang es dem findigen Organisten Weß, aus seinem Repertoire raffiniert pointierte Stücke zu zaubern.

Ein Künstler und Ästhet

Herbert Weß ist Künstler und Ästhet – Schenkelklopfer und Schunkelmusik sind nicht zu erwarten, überhaupt keine „Stimmungsmusik“ im banalen Sinn. Aber er greift in die Vollen und in buntem Wirbel scheint ein Stück das andere übertrumpfen zu wollen.

P. Anselm Schubiger aus dem 19. Jahrhundert lässt pompös, aber mit wechselnden Klangfarben, die heilige Cäcilia aufmarschieren. Da assoziiert, wird eine würdige Matrone, füllig, aber nicht ohne klare Proportionen. Als Kontrast dazu von Beethoven ein fein ziseliertes Scherzo in hellen Flötenregistern. Als Dritter im Bunde aus dem vorvergangenen Jahrhundert, Giovanni Quirici, er bot eine zierliche „Polkettina“, lieblich und versonnen heiter.

Die Compositeure aus dem 20. Säculum, eine Riege der jetzt 50- bis 60-Jährigen, sind gewiegte Praktiker der Orgel, Leute mit großer Erfahrung im liturgischen Dienst. Die reizt es offensichtlich auch gegen den Stachel zu löcken und ihre Musik mit geistreichem Witz aufzumischen. Meist ist da etwas allgemein Bekanntes die thematische Basis: „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum“ oder Mozarts „Türkischer Marsch“ oder „Old McDonald“.

Nun werden diese Ohrwürmer aufgebrezelt, harmonisch verfremdet, rhythmisch auf Trab gebracht. Sie swingen, rocken und walzen um die Wette. Da bleibt viel im dankbaren Ohr hängen: das „Fleißige Bienchen“ oder der herrlich konfus schwirrende „Bienenschwarm“ von Jürgen Bors telmann. Grimoaldo Macchia fielen zu dem schon vielfach parodierten Rondo „alla turca“ von Mozart ungeahnte neue Ideen ein. Stephan Thomas verlegte sich in seiner „Suite Helvetique“ mehr auf farblich fein abgestufte Stimmungsbilder: Wir stehen „am Alpsee“ und „lueget vo Börge und Tal“.

Den Vogel aber schoss wohl der Hamburger Andreas Willscher mit den „Sieben Improvisationen über Yankee Doodle“ ab.

In warmem Saxofonsound erklang eine „Hommage an Fats Waller“, die sphärischen Klänge und himmlischen Längen des großen Olivier Messiaen werden liebe- und respektvoll belächelt.

Untertitel lassen Publikum schmunzeln

Schon die Untertitel einiger Stücke lassen schmunzeln: „Very simple“ (Alte Dame, die in ihrer Jugend zwei Jahre Klavierunterricht hatte und gerne dafür zahlen würde, um einmal auf einer großen Orgel spielen zu können). Das war derart genial „stümperhaft“, dass das Publikum am liebsten laut herausgelacht hätte.

Der heftige Applaus erzwang noch zwei Zugaben: Einen turbulent-geistvollen Beethoven-Verschnitt von Andreas Willscher und ein original Toggenburger Volksmusikstücklein.

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