Premiere von "Haie küsst man nicht" im Wasserburger Narrenkeller

Finale Rettung per Heiratsantrag

Eva (Constanze Baruschke) hat nur noch ihre Stoffpuppe Nils.  Foto Janeczka
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Eva (Constanze Baruschke) hat nur noch ihre Stoffpuppe Nils. Foto Janeczka

Eifersucht ist eine Krankheit. Einmal richtig ausgebrochen, führt sie oft schnurstracks in die Katastrophe. Was eine Frau auf dem Weg dahin so alles erleben kann, zeigte hinreißend Constanze Baruschke mit einem Soloschauspiel im Theater Narrenschiff in Wasserburg.

Stefanie Stroebele hat mit "Haie küsst man nicht" eine rasante und nachdenkliche Tragikomödie verfasst. Darin zeigt die Stuttgarter Autorin alle Facetten einer von Eifersucht arg auf die Probe gestellten Liebe. Protagonistin Eva erlebt eine Odyssee der Seelenqualen mit Paranoia, Rache und Sauferei bis hin zur Suizidabsicht.

Eva Liebling ist mit Martin Groß liiert. Schon ihr Kennenlernen war von einer Pannenserie überschattet. Eine umgeschnallte Haifischflosse hatte die Kindergärtnerin beim Baden im Baggersee in Panik versetzt. Barbusig und kreidebleich vor Angst war sie auf der Liegewiese direkt auf Martin gefallen. Was die Sache zusätzlich erschwerte: Martin ist städtischer Kindergartendezernent und damit auch ihr Chef. Doch jetzt scheint die Beziehung endlich unter Dach und Fach. Heute, zu ihrer Geburtstagsfeier und längst überfällig, würde Martin um ihre Hand anhalten. Aber statt des erhofften Antrags nimmt ein Desaster seinen Lauf. Mit ihrer Haiphobie hatte ihre Beziehung begonnen und jetzt entpuppt sich auch noch ihr Traummann als "Hai". Eva erwischt Martin beim Knutschen mit ihrer besten Freundin und Kollegin Birgit. Außer sich vor Wut flüchtet Eva in ihren Kindergarten. "Licht, ich brauche Licht", dann ein Poltern und ein lauter Schrei. Eva hat sich im Dunkeln einen Sandkastenrechen ins Knie gerammt. Alkoholumnebelt lässt sie die Stationen ihrer havarierten Beziehung Revue passieren und schmiedet düstere Rachepläne. Stoffpuppe Nils, ein kuscheliger Eisbär und ein Plüschhai sind stumme Zeugen ihrer Tobsucht. Vom Alkohol enthemmt sieht Eva nur einen Ausweg: Selbstmord und damit eine gehörige Portion Schuldgefühle für alle, die sie hintergangen haben.

In rasanten Handlungsabläufen ließ Regisseur Jörg Herwegh Eva ihre leidvolle und zugleich ungeheuer komische Geschichte erzählen. Constanze Baruschke überzeugte emotional mit einer schauspielerischen Glanzleistung.

Dramaturgische Unterstützung kam von zwei Stimmen aus dem Off. Manon Schröter und Chris Blunser agierten in diversen Schlüsselszenen als Schatten von Birgit und Martin hinter der Bühne. Sie erweiterten die pointenreichen Monologe immer wieder zum Dialog, entweder im Rückblick auf das Geschehene oder zur akuten Krisenintervention per Handy, etwa um Eva vom Selbstmord abzuhalten. Ungeniert und augenzwinkernd wurde die Hauptdarstellerin durch alle Gemütslagen einer gerade zerbrechenden Beziehung geführt. Obendrein erfuhren die Zuschauer, dass man sich mit WC-Reiniger nicht vergiften kann, aber nur wenn die Flüssigkeit in der Flasche vorher durch Wodka ersetzt wurde. Schließlich kam dann doch der lang ersehnte Heiratsantrag, gerade noch rechtzeitig zu Evas Rettung und zum Happyend. Martin und Birgit hatten, wer's glaubt, das "Geknutsche" ohnehin nur für eine Aufführung als Geburtstagsüberraschung geprobt.

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