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Sinfonietta Cracovia im voll besetzten Kultur- und Kongresszentrum

Fein geknüpfte Knoten und Fransen beim Meisterkonzert in Rosenheim

Ramón Ortega Quero knüpfte mit seiner Oboe kunstvolle Zierschnüre.
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Ramón Ortega Quero knüpfte mit seiner Oboe kunstvolle Zierschnüre.

Das vollmundig angekündigte Meisterkonzert der Sinfonietta Cracovia aus Krakau im Rosenheimer KuKo hielt nicht ganz, was das Programmheft versprochen hatte.

Rosenheim – Das Programmheft beim dritten Meisterkonzert machte vollmundig Appetit auf den reichgedeckten Tisch der polnischen Musik – das gespielte Programm aber bröselte und bröckelte dahin: Brosamen vom gedeckten Tisch, „ein Mahl ohne Hauptgang“, urteilte ein langjähriger und kundiger Konzertbesucher.

Mitbringsel ohne musikalisches Gewicht

Die Sinfonietta Cracovia, vom Programmheft als „das offizielle ständige Orchester der Königlichen Hauptstadt Krakau“ benannt, kam als reines Streicherorchester und brachte polnische Musik mit, aber nichts Gewichtiges, nur Kleinzeug. Es begann mit einer neckischen Polonaise, ging weiter mit barockisierender Filmmusik und endete mit einer harmlosen Serenade mit einem putzigen Marsch. Alleine die Aufzählung der Werke und Komponisten füllt schon einen Konzertbericht.

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Oftmals wird die barocke „Polonez Balowy“ von Grzegorz Gorczycki mit einer Pauke oder einer Trommel begleitet: Dies hätte die Stimmung im – nach Corona-Bedingungen – voll besetzten Kultur- und Kongresszentrum gehoben, die auch bei den „Drei Stücke(n) im alten Stil nach Filmmusiken zu ‚Tagebuch von Saragossa‘“ von Krzystof Penderecki (1933-2020) verhalten blieb. Da halfen auch die scharfen Flageolett-Töne nichts, in die die Streicher plötzlich verfielen. Pendereckis „Sinfonietta“ wäre wesentlich aufregender gewesen.

Die Celli schrumpelten

Aufregung erzeugte auch nicht die „Frühe Serenade im deutschen Stil“ von Mieczysław Karłowicz (1876 -1909), nur behagliche Aufgeräumtheit mittels des possierlich tanzenden Marsches und des schelmisch schwelgenden Walzers, in dessen Mitte plötzlich die Celli samt Kontrabass energisch-vergnügt schrumpelten.

Die Notwendigkeit eines Dirigenten zeigte sich erst bei der Streichersymphonie Nr. 10 von Felix Mendelssohn Bartholdy: Markus Korselt stellte die Feinheiten dieses Werkes fein heraus, ließ merken, wie reaktionsschnell das Orchester ist, zeigte, über welch weich und blühend intonierende Bratschen es verfügt und wie viel Energie das Orchester im Presto explodieren lassen kann.

Schwereloser Spitzentanz

Nach soviel Streicherklang sehnte man sich nach Bläsertönen: Es kam der herausragende Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Bachs Oboenkonzert BWV 1055 adelte er mit seinem reintönenden kostbaren Ton, seinem natürlich beschwingten Phrasierungsgeschick und seiner Fähigkeit, weite und sorgfältig ausformulierte Melodielinien zu zeichnen, in die er kunstvoll die Verzierungen verwob wie fein geknüpfte Knoten, Quasten und Fransen in eine Zierschnur. Im Larghetto ließ er seine Oboe weitausschwingend singen, im Finale leichtlippig-virtuos tanzen wie in einem schwerelosen Spitzentanz.

Daunenweicher Streicherklang

In den sieben „Liedern ohne Worte“ von Mendelssohn Bartholdy, arrangiert von Andreas Tarkmann, bettete sich der Oboist wohlig in den daunenweich warmen Streicherklang, trieb zwischendurch das Orchester ein bisschen an und amüsierte das Publikum mit einem spitzbübisch gehauchten End-Spitzenton. In der Zugabe, der Bourrée Anglais der a-Moll-Partita BWV 1013 von Bach, tönte seine Oboe triumphierend wie eine Mini-Trompete.

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Auch das Lied der Roxana aus der Oper „König Roger“ von Karol Szymanowski (1882-1937) wird von Violinisten gerne als Zugabe gewählt. Hier entpuppte sich die Zugabe als Programm-Hauptpunkt. Die Konzertmeisterin, bisher unauffällig, aber wirkungsvoll ihre Kollegen anführend, trat vor und spielte dieses verführerische Lied ausdrucksvoll schwelgend, aber nicht schwülstig, umgeben vom flimmernden und flirrenden Streicherklang des Orchesters. Endlich hörte man, wie reichhaltig und farbig polnische Musik sein kann.

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