Fauns-Träume als flüchtiges Klingen

Das „Ensemble mosaïque“ erwies sich als Mosaik aus lauter Edelsteinen. Janka
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Das „Ensemble mosaïque“ erwies sich als Mosaik aus lauter Edelsteinen. Janka

Rosenheim – Der Dirigent und Komponist Pierre Boulez nannte das „Prélude á l’aprés-midi d‘un faune“ von Claude Debussy (1862 bis 1918) die „Geburtsstunde der modernen Musik“, und mit diesem Stück begann auch die Matinee des Tonkünstlerverbandes Südostbayern im Rosenheimer Künstlerhof.

Vor 100 Jahren starb Debussy, deshalb war ihm die ganze Matinee gewidmet.

Mit einer sich müde herabschlängelnden Flötengirlande beginnen diese Träume eines von der Nymphenjagd müde gewordenen Fauns, Töne, die wieder aufgenommen wurden im Film „Dschungelbuch“, wo die Schlange Kaa den kleinen Mogli musikalisch einwickeln möchte. Und so suggestiv verschlingend, schillernd und irisierend, verführerisch und träumerisch spielten die Musiker des „Ensemble mosaïque“. Das sind Alice Guinet (Flöte), Barbara Pöschl-Edrich (Harfe), Anna Kakutia (Violine), Vadim Makhovskiy (Viola) und Michael Weiß (Cello). Dabei war der Klang nicht so orchestral verschwommen, sondern, weil kammermusikalisch gleichsam skelettiert, sehr strukturiert.

Debussys letztes Wort war die Sonate für Flöte, Viola und Harfe. Der gaben die drei Musiker viel sinnlich-warmen und hervorragend gemischten Klang, betonten in der „Pastorale“ das Dahinträumen und beschworen dann die „Musik als flüchtiges Klingen“ – eine Definition des französischen Philosophen Valdimir Jankélévitch, die Alice Guinet in ihrer Einführung zitierte.

Von sehr sprödem Klang mit seiner bitonalen Struktur war die Sonate für Violine und Cello von Maurice Ravel (1875 bis 1937), die dieser Claude Debussy gewidmet hatte. Anna Kakutia und Michael Weiß erwärmten die Sprödheit mit ihrer emphatischen Gestaltung und ihrem satten Bogenstrich.

Als wirklich „ungetrübt impressionistisch“, so Alice Guinet, erwies sich die Suite op. 34 von Marcel Tournier (1879 bis 1951), wieder träumerisch beginnend, dann aber geradezu wollüstig klangschimmernd, später hell-gleißender werdend mit einem rauschenden Ende.

Dagegen hörte sich das „Quintette“ von Jean Françaix (1912 bis 1997) sehr elegant an: Zuerst breiten sich über dem Cellogezupfe wellenförmig träumerische Klänge aus, gefolgt von einem eleganten kurzen Walzer und einem sich üppig verströmenden Andante und endend mit einem heiter-rasanten Rondo: Musik, die ungehemmt Freude verbreitete und das Leben mit Sinn erfüllt, wie wiederum Jankélévitch postuliert. Gerade in diesen beiden Quintetten bewies sich aufs Schönste die fein austarierte Klangabmischung des „Ensemble mosaïque“: ein glänzendes Mosaik aus lauter Edelsteinen.

Für den rauschen Applaus bedankten die Musiker sich mit noch einer Neuentdeckung, dem Finale aus den „Variations libres“ von Gabriel Pierné (1863 bis 1937), der viele Werke von Debussy als Dirigent aus der Taufe gehoben hat – womit sich der Debussy-Kreis wieder schloss.

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