Erlesene Oper: Klangpracht mit Witz und Schwung

Carlo (Sieglinde Zehetbauer, links) intrigiert,um das Glück seiner Schwester Casilda (Kayo Hashimoto) und ihrem geliebten Rafael (Bernhard Teufl, rechts) zu sichern. In der Mitte das königliche Paar (Clarissa Reif und Michael Doumas).
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Carlo (Sieglinde Zehetbauer, links) intrigiert,um das Glück seiner Schwester Casilda (Kayo Hashimoto) und ihrem geliebten Rafael (Bernhard Teufl, rechts) zu sichern. In der Mitte das königliche Paar (Clarissa Reif und Michael Doumas).

Mit der fast vergessenen Oper „Dem Schelm die Hälfte“ des französischen Komponisten D.F.E Auber feierte der Verein „Erlesene Oper“ eine erfolgreiche Premiere im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum. In den Hauptrollen glänzten Sieglinde Zehetbauer, Kayo Hashimoto, Bernhard, Teufl Clarissa Reif und Michael Doumas.

Rosenheim – Eine Sternstunde für Opernliebhaber war die Premiere von „Dem Schelm die Hälfte“ im Kultur- und Kongresszentrum. Die „erlesene Oper“ unter der Leitung von Georg Hermansdorfer hat das heute fast vergessene Werk des französischen Komponisten D.F.E. Auber in einer vergnüglichen Inszenierung in deutscher Sprache auf die Bühne gebracht. Nach der festlichen Ouvertüre mit einem melodischen Oboensolo, klangsatten Streichern, Paukenschlägen und majestätischen Bläserpassagen entspann sich über knapp drei Stunden eine amüsante Handlung voller Verwirrungen und Intrigen.

Rafael, ein gescheiterter adeliger Theologiestudent, verliebt sich in die Schneiderin Casilda. Da es bei ihm aber weder mit dem Studium noch mit einer Militärlaufbahn klappt, schließt er aus Verzweiflung einen Pakt mit einem vermeintlichen Teufel, der in Wirklichkeit Carlo Broschi, der Bruder seiner Angebeteten ist. Als Lohn für seine Mühen fordert Carlo von Rafael die Hälfte des Gewinns. Nachdem Carlo durch seine Sangeskünste die Gunst des Königs gewonnen hat, machen er und Rafael am Hof Karriere. Dank absurder Zufälle kann Carlo am Ende seinem „Schützling“ die entführte Geliebte wieder zuführen.

Mehr über das Stück finden Sie auf der Internet-Seite von „Erlesene Oper“

Tenor Bernhard Teufl als Rafael verkörperte klangschön den leidenschaftlichen und ungestümen Liebhaber, der treuherzig seinem Erzieher Vargas (Markus Kotschenreuther) von seiner Misere erzählt. Bewegend gleich zu Beginn war die Szene, wie Rafael zu abendlicher Stunde dreimal unterwürfig die alte Eiche anruft, damit sich der Teufel zu erkennen gibt.

Mit ihrem zarten, glockenreinen Sopran verzauberte Sieglinde Zehetbauer in der Rolle des Carlo nicht nur den König (Michael Doumas), den sie von seinen Depressionen heilt, sondern auch das Publikum. Doumas, eine stattliche, respektgebietende Erscheinung, füllte den Saal mühelos mit einem imposanten Bass. Seine Gattin (Clarissa Reif) besaß große Bühnenpräsenz und strahlte souveräne Ruhe aus. In ihren prunkvollen Kleidern agierte sie mit majestätischer Würde.

Hier lesen Sie den Bericht über die letztjährige Produktion der „Erlesenen Oper“: Treemonisha

Carlos Schwester Casilda (Kayo Hashimoto) sang mit seelenvollem Schmelz, besonders im Duett zusammen mit ihrem Bruder Carlo, für das beide anhaltenden Applaus erhielten. Unheilvoll und bedrohlich wirkte der Großinquisitor (Uwe Pankarz), fröhlich und lebendig als Jagd- und Hofgesellschaft intonierte der Chor. Dass es zwischen Carlo und Rafael nicht zum Handschlag kam, war wohl der aktuellen Situation um das Corona-Virus geschuldet. Die Halbierung von Rafaels Erbe und seiner Gefängnisstrafe durch den Teufel erzeugte Heiterkeit.

Extraapplaus erhielten Sehra Sulcova und Salvina Scherer, die zwischen dem zweiten und dritten Akt pantomimisch geschickt mit den auf Pappschildern gemalten Silben des Wortes „Umbau“ jonglierten. Die farbkräftig bemalten Wandelemente (Otto von Kotzebue) bildeten den idealen Hintergrund für die funkelnde, historisch gediegene Kostümierung der Sänger. Das Orchester, das die Sänger klangschön begleitete, spielte mit Freude und Schwung. Am Ende spendete das Publikum allen Beteiligten begeisterten und lang anhaltenden Beifall.

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