„Er, der Herrlichste auf Erden“

Alexandra Paulmichl verdeutlichte durch die Innigkeit ihres Vortrags die schwierige Situation der Liebenden, am Klavier begleitet von Kamila Akhmedjanova.
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Alexandra Paulmichl verdeutlichte durch die Innigkeit ihres Vortrags die schwierige Situation der Liebenden, am Klavier begleitet von Kamila Akhmedjanova.

Immling – Ein schöneres Ambiente für diesen romantischen Liederabend auf dem grünen Hügel von Gut Immling hätte es kaum geben können.

Die glutrot versinkende Abendsonne, bunt leuchtende Sommerblumen und angenehme Temperaturen machten das im Freien sitzende Publikum empfänglich für ein bewegendes, musikalisch-literarisches Programm mit dem Titel „Du bist mir so unendlich lieb“.

Im Wechsel erklangen Musikstücke, Lieder und Texte aus Briefen von Clara und Robert Schumann, einem der berühmtesten Liebespaare der Musikgeschichte. Alexandra Paulmichl (Mezzosopran) und Modestas Sedlevicius (Bariton) sangen die Lieder zur Klavierbegleitung von Kamila Akhmedjanova. Die Texte las Verena von Kerssenbrock.

Kennengelernt haben sich Clara und Robert Schumann im Jahre 1828. Robert war zunächst Jurastudent, hat aber nie einen Hörsaal betreten. Vielmehr galt seine Liebe der Musik. Clara, die bei ihrem Vater, dem Musikpädagogen Friedrich Wieck aufwuchs und seit ihrem 5. Lebensjahr Klavier spielte, war ein pianistisches Wunderkind. Auch der junge Robert nahm bei Claras Vater Klavierunterricht. Eine Sehnenscheidenentzündung verhinderte jedoch Schumanns Laufbahn als Pianist, noch bevor sie angefangen hatte.

Liedtextevoller Wehmut

Robert, der ein Jahr im Hause der Wiecks wohnt, verliebt sich in Clara, der er oft erfundene Märchen erzählt. In einem Brief gesteht ihr der 20-Jährige: „Ich liebte dich von jeher so herzlich, wie es unser Alter mit sich brachte.“ Dass Claras Vater mit der Verbindung nicht einverstanden ist, verletzt Robert tief. In einem späteren Brief schwört Schumann seiner Geliebten trotzig: „Ich lasse nicht von Dir!“ und bekennt: „Ich lieb Dich nicht, weil Du so eine große Künstlerin bist, nein, ich liebe Dich, weil Du so gut bist.“

Alexandra Paulmichl und Modestas Sedlevicius sangen die Lieder mit viel Einfühlung in die schwierige Situation der Liebenden. Mal zart und innig, dann wieder lebhaft und mit Leidenschaft brachte die Mezzosopranistin „Seit ich ihn gesehen“ und „Er, der Herrlichste von allen“ aus Schumanns „Dichterliebe“ zu Gehör, ernst und feierlich erklang „Der Spielmann“ aus den „Fünf Liedern“ Op. 40, aufwühlend die von Sedlevicius gesungene Ballade „Belsazar“. Zu Herzen ging nach der Pause die „Mondnacht“ nach dem Text von Eichendorff, voller Wehmut war das Lied „Sehnsucht“.

Kamila Akhmedjanova am Klavier begleitete die Sänger angemessen und ausdrucksvoll. Mit der „Träumerei“ aus den „Kinderszenen“ und dem Adagio von Chopin, das allerdings am Ende im Hubschrauberlärm unterging, berührte sie auch als Solistin.

Ergreifend anzuhören waren die gelesenen Texte. Verena von Kerssenbrock trug die Briefpassagen der Liebenden klar akzentuiert mit großer Sensibilität und Sinn für Dramatik vor. Da das Programm insgesamt recht lang geriet, kürzten die Ausführenden am Ende ein wenig, sangen aber dafür noch zwei Liebeslieder, für die sie lang anhaltenden Applaus erhielten. Georg Füchtner

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