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Entdeckung eines starken Duos

Dorothee Oberlinger und Nils Mönkemeyer boten eine faszinierende Hörreise.
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Dorothee Oberlinger und Nils Mönkemeyer boten eine faszinierende Hörreise.

Herrenchiemsee – Aus dem hinteren Bereich des Saals sind die Klänge zu hören.

Das matt eingefärbte Timbre der tiefen Blockflöte mischt sich mit der dunklen Klanglichkeit der Viola, als ob ein einziges Instrument erklingt. Unterm Spiel schreitet die Flötistin zum Podium: wie bei einer Prozession.

Das passt zum „O Ecclesia“ von Hildegard von Bingen. Die Universalgelehrte aus dem Mittelalter hat auch in ihrer Musik eine spirituelle Mystik gelebt. Kontemplative, lange Bögen: Ihre Musik lauscht ins Innere.

Mit dieser Meditation haben Dorothee Oberlinger und Nils Mönkemeyer ihr gemeinsames Programm „music for two“ bei den „InselKonzerten“ auf Herrenchiemsee eröffnet. Die große Blockflötistin aus Aachen ist eine Expertin für Originalklang und zeitgenössische Musik. Am Salzburger Mozarteum hat sie eine Professur inne. Im Bibliotheksaal des Augustiner-Chorherrenstifts präsentierte sie zehn Blockflöten unterschiedlicher Zeiten und Größen.

Ob Barock oder Renaissance, in Orgelpfeifen-Maß oder pfeifenhaft klein: Im Ergebnis waren völlig unterschiedliche Farbgebungen und klangliche Charaktere zu hören. Passend dazu bespielte Mönkemeyer, Co-Leiter der „InselKonzerte“, seine Bratsche mit differierenden Bögen: barock und klassisch. Damit wurde ein Programm verlebendigt, das seinerseits einen weiten Bogen spannte.

Die faszinierende Hörreise begann im Mittelalter und endete in der frühen Moderne von Béla Bartók. Dazwischen spielte Johann Sebastian Bach die zentrale Rolle. Hierfür haben Oberlinger und Mönkemeyer auch Bearbeitungen aus der „Kunst der Fuge“ oder des „Musikalischen Opfers“ gegeben. Selbst die „Zweistimmigen Inventionen“ Nr. 1, 6 und 8 funktionieren in dieser Duo-Kombi ganz prächtig.

Allerdings war das auch der spezifischen Art des Zusammenspiels zu verdanken. Oberlinger schafft es mühelos, die ganze Vielfalt und den besonderen Zauber der Blockflöte herauszustellen. Wer sich eher mit Grauen an den Blockflöten-Zwang in der Volksschule erinnert, der kann bei Oberlinger erleben, wie sehr das Instrument der menschlichen Stimme und dem Gesang nahekommt.

Sie spricht geradezu in das Rohr hinein, artikuliert den Klang ganz klar. Dadurch formt Oberlinger buchstäblich die Töne, als ob es gesungene Worte wären. Niemand beherrscht das so gut wie Oberlinger, vielleicht nur Giovanni Antonini. Den Dirigenten und Blockflötisten aus Italien, auch bekannt vom benachbarten „Festivo“, hat Oberlinger einmal zu ihren Vorbildern gezählt. Es ist genau dieses Profil, das auch Mönkemeyer auf der Bratsche kultiviert. Das offenbarte seine Interpretation der Cello-Suite Nr. 1 von Bach in einer Transkription für Viola. Er lässt die Musik nicht nur aus dem Geist des Tanzes erwachsen, mit flotten Tempi und straffer Rhythmik, sondern: Mönkemeyer artikuliert jede einzelne Note. Diese glasklare Transparenz und Durchhörbarkeit sind eine schiere Freude. Genau das kultiviert auch Oberlinger, wie nicht zuletzt ihr großes Solo zeigte: die Flöten-Partita BWV 1013. Man wollte sich fast schon die Ohren reiben, denn: Diese besondere Kombi aus Blockflöte und Bratsche kommt viel zu kurz.

Sie ist eine echte Entdeckung, wie übrigens auch das folkloristische „The Reel of Tulloch“ des schottischen Bach-Zeitgenossen James Oswald. Dieses Programm gehört auf CD gebrannt!Marco Frei

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