Am Ende alles Charleston

Das alternde Schwulenpaar(von links: Hermann Hager und Hans Anker), umsorgt von dem Hausboy (Christian Swoboda), muss bald so tun, als sei es nicht schwul. janka

Rosenheim – Wenn sich das „Normale“ und das „Nichtnormale“ überlappen, gibt es Katastrophen.

Wenn Schwulsein das Normale ist, ist die heterosexuelle Welt das Anormale. Wenn der „anormale“ Sohn des Schwulen heiraten will und den Schwiegereltern heile, ist gleich: anormale, Welt vorspielen will, wird‘s absurd – und hochkomisch. Das ist das Thema von „Ein Käfig voller Narren“ von Jean Poiret. Hans Anker und Anja Rajch haben dieses Theaterstück, das auch als Film und Musical die Welt erobert hat, auf die Bühne des Tam-Ost gebracht.

Sie lassen alles in Deutschland spielen, mit deutschen Namen und mit teilweise bairisch-fränkischem Zungenschlag. Das amüsiert die Zuschauer sehr. Das nimmt aber auch ein wenig von der französischen Spritzigkeit und dem Pariser Esprit. Aber es ist brachial-komisch, wenn die Animierdame krachert bairisch animiert (Christian Reitinger), und es ist feinsinnig-komisch, wenn Christian Swoboda als offizieller „Hausboy“, auch „Bergnutte“ genannt, sich halbnackt in Lederhosen auf dem Boden wälzt und um Schläge wimmert und ansonsten Kaviar mit Schampus serviert und tänzelnd Gäbelchen und Messerchen sortiert. Er hatte – am Ende im goldglitzernden Höschen – auch den meisten Mut zum Schwulsein.

Das alternde Schwulenpaar Georg und Albin stellte das Schwulsein nicht so deutlich, dafür auch nicht so theatralisch heraus, betonte das Normale des Schwulseins. Lustig wird’s, wenn Hans Anker als Albin, der nicht mal männlich husten kann, lernen soll, wie man männlich einen Toast streicht, und wenn dann der echt männliche Metzger (Gerhard Sellmair), von dem er Männlichkeit lernen soll, feinsinnig-kultiviert von der Schönheit der Malerei des Quattrocentos schwärmt.

Hermann Hager bewegt sich als Besitzer des „Narrenkäfigs“ souverän zwischen den Welten des Normalen und Anormalen, könnte noch schärfer artikulieren und seine Sottisen noch zielgenauer abschießen.

Wenn die künftigen spießigen – normalen oder anormalen? – Schwiegereltern kommen, wird’s turbulent, ohne dass diese Turbulenz auf die mögliche Spitze getrieben wird. Norbert Reiche trompetet moralisierend mit kraftvollem Politikerton (er ist ja Landtagsabgeordneter), seine Frau (Silvia Hofmann) fällt ins Kräftig-Bairische und entlarvt ihre Figur als nicht nur spießig, sondern auch provinziell. Inmitten des Chaos sitzt anmutig der hübsche Sohn (Maximilian Weidinger als Schauspieldebütant recht sicher) und seine zur Stummheit verdammte Braut (Sophia Walke), bis die wirkliche Mutter (Angelika Seewald-Löffelmann als welterfahrene Society-Lady) erscheint und alles noch mehr verkompliziert.

Am Schluss retten sich alle, weil die Gesellschaftsreporter das Haus umzingeln, unter 20er-Jahre-Perücken und in einen versuchten Charleston-Tanz: Alles Charleston.

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